Forster Geschichtsstammtisch erneut im polnischen Zary (dt: Sorau) unterwegs

Zum 132. Forster Geschichtsstammtisch am 30. Juli 2026 machten sich 48 Besucher per Bus und PKW auf den Weg nach Zary (Sorau). Nachdem im Juli 2022 das Sorauer Schloss zur Besichtigung stand, war diesmal das „Museum des Schlesisch-Lausitzer Grenzgebietes“ das Ziel.

Museumsdirektor Dr. Rafal Szymczak führte die Forster Gäste persönlich durch die Ausstellung. Aus organisatorischen Gründen überreichte der Vorsitzende des Forster Museumsverein, Kristian Schmidt, gleich zu Beginn als Gastgeschenk ein Wappenbuch mit den Wappen der Niederlausitz sowie ein Konvolut historischer Sorauer Ansichten aus Forster Beständen.

Schwerpunkte der Ausstellung in dem kleinen Museum sind die Sorauer Stadtgeschichte, die Militärgeschichte der Region sowie die Tuchmacher- und Porzellanherstellung. An einem Stadtmodell, auf dem die mittelalterliche Bebauung dargestellt ist, erläuterte Dr. Szymczak die Entwicklung der Stadt. Sorau war in früheren Zeiten Residenz der Biebersteiner und derer zu Promnitz und später als Kreisstadt und Verwaltungssitz auch für Forst (Lausitz) zuständig.

Wie zu erfahren war, zieht das Museum in naher Zukunft in das Schloß um, sobald die Wiederinstandsetzung des Schlosses abgeschlossen ist.

Herzstück der Ausstellung ist die große Porzellansammlung im 2. Obergeschoß. Zwar hatte die Sorauer Porzellanherstellung nie den Bekanntheitsgrad von Meißener Porzellan, der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) oder Rosenthal-Porzellan aus Selb (Bayern) erreicht, trotzdem produzierte die zum Carstens-Konzern gehörende Porzellanfabrik Sorau hochwertige Tafel- und Kaffeeservices für den europäischen und transatlantischen Markt. Die bekanntesten Carstens-Marken sind „China Blau“ und „Mozart“.

Im Anschluß an die Museumsbesichtigung führte Dr. Szymczak die Besucher des Stammtisches zu einigen bedeutsamen Bauwerken im unmittelbaren Umfeld des Museums: der Herz-Jesu-Kirche, dem Glockenturm der Pfarrkirche sowie dem Wächterturm als Teil der ehemaligen Stadtmauer. Eigentlich ist der Wächterturm nur unregelmäßig für Besucher geöffnet, doch die Forster Gäste durften einen Blick in den mit 2 Meter dicken Wänden und knapp 30 Meter hohen Turm wagen. Im Innern des Turmes kann anhand von Schaubildern die städtebauliche Bedeutung des Turmes für die Sorauer Bevölkerung nachvollzogen werden. So diente der Turm mal zur Feindaufklärung anrückender schlesischer Truppen, mal als Gefängnis für der Hexerei verurteilter Frauen oder zu Verteidigungszwecken im Belagerungsfalle.

Die ursprünglich geplante Besichtigung der ehemaligen Schlossbrauerei und des Weinhäuschens im Stadtpark mußten entfallen: In der ehemaligen Schlossbrauerei war kurz zuvor die Decke herabgestürzt; das Weinhaus wäre nur von Außen zu besichtigen gewesen, da im Innern keine Ausstellung o.ä. zu sehen ist. Stattdessen lud Dr. Rafal Szymczak seine Forster Besucher ein, nach Sorau zu einem erneuten Geschichtsstammtisch zu einem anderen Thema wiederzukommen.

Der Dank des Museumsvereins geht an Dr. Rafal Szymczak für seine fachkundigen Ausführungen und die Gelegenheit, den Wächterturm besichtigen zu dürfen, an Edward Zys, der die Ausführungen als Dolmetscher begleitet hat, und an das Busunternehmen 2020 für die Bereitstellung des Buses und den sicheren und unfallfreien Transfer nach und von Sorau.

Der nächste Geschichtsstammtisch am 27. August 2023 im Gemeindehaus der evangelischen Kirche in der Frankfurter Str. enthüllt dann sicherlich wieder das eine oder andere Geheimnis.

Fotos: Thorigrafie/T. Haß