Vereins-Chronik

30 Jahre

Museumsverein

der Stadt Forst (Lausitz) e. V.

Am 7. Februar 1991 gründeten elf engagierte Forster den hiesigen Museumsverein. Der Werdegang des Vereins sowie die Leistungen seiner Mitglieder und Unterstützer bis zum 25-jährigen Jubiläum im Februar 2016 wurden dort in einer Festrede und verschiedenen Grußadressen gewürdigt, darunter u. a. des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dr. Dietmar Woidke, dem damaligen Bürgermeister der Stadt Forst (Lausitz), Philipp Wesemann, und ebenso von Dr. Susanne Köstering, Geschäftsführerin des Brandenburgischen Museumsverbandes. Dies alles ist im Forster Jahrbuch 2017/2018 nachzulesen. „Silber gefeiert, aber Gold verdient“ war ein treffendes Resümee des Forster Wochenblattes, zumal der Museumsverein im Jahr 2015 als „Verein des Jahres im Land Brandenburg“ geehrt wurde.

 

Unser Museum – nach ereignisreichen 25 Jahren nun ein Leuchtturmprojekt

 Das am 26. August 1995 eröffnete Brandenburgische Textilmuseum Forst (Lausitz) wurde im Auftrag der Stadt vom Museumsverein der Stadt Forst (Lausitz) e. V., kurz Museumsverein, in Trägerschaft genommen. Ein  sog. „Betreibervertrag“ von 1996 regelte die Modalitäten, zumal die ehemalige Noack´sche Tuchfabrik Eigentum der Stadt ist. Auch wenn es vielen Forster Bürgern oft nicht klar war: Der Museumsverein war einerseits Betreiber des Brandenburgischen Textilmuseums im Auftrag der Stadt Forst (Lausitz) und gleichzeitig Arbeitgeber von zuletzt vier festangestellten Mitarbeiter*innen. Dazu gab es jeweils einen von den Stadtverordneten bestätigten jährlichen Festbetrag und ab 2017 konkrete Teilhabe an der Institutionellen Förderung des Landkreises, um Lohn-, Betriebs- und Sachkosten des Museums abzudecken. Die finanziellen Zuwendungen waren zweckgebunden ausschließlich für das Museum bestimmt und exakt nachzuweisen. Den Mitarbeitern wurde ein Haustarif gezahlt, ohne eine tariflich angelehnte Bezahlung zu erreichen. Viele unbezahlte Überstunden und eine überdurchschnittliche Einsatzbereitschaft mussten den Mehraufwand kompensieren.

Abb. 1: Das Brandenburgische Textilmuseum Forst (Lausitz) vor dem Umbau. Foto: Frank Junge

Der Verein selbst hat sich seine Finanzen eigenständig zu erarbeiten und ist gemeinnützig tätig. Alle aktiven Mitglieder des Museumsvereins sind zudem ehrenamtlich tätig, wobei 80 % unserer Mitglieder insbesondere aus Forst kommen, einige aus Cottbus und Dresden (Mitgliederzahl, Stand Dez. 2020: 114). Die anderen sind ehemalige, aber unserer Stadt verbundene Forster, verstreut nach Hamburg, Mönchengladbach, Koblenz usw., selbst bis nach Italien.

Im Dezember 2016 wurde von den Stadtverordneten ein richtungsweisender Beschluss zum Ausbau des Brandenburgischen Textilmuseums mit Unterbringung der Forster Stadteisenbahn beschlossen, auch wenn in der Diskussion dazu durchaus unterschiedliche Interessenlagen sichtbar wurden. Diesen Beschluss in der Stadtverordnetenversammlung (SVV) mehrheitlich zu fassen, war Grundlage überhaupt, um das Projekt „Museumsausbau“ fortzuführen. Initiator, auch nach gemeinsamen Vorgesprächen mit Mitgliedern des Museumsvereins, war Sven Zuber, Verwaltungsvorstand für Service, Bildung und Personal sowie Gründungsmitglied unseres Vereins. Er ist bis heute verantwortlich und äußerst sachkundig in das Förderprojekt „Museumsausbau“ eingebunden. Damit ist das Premiumobjekt des Städtebaus gemeint, so zu lesen auf dem am 9. August 2019 durch Staatssekretär Marko Wanderwitz übergebenen Schild – die Sanierung und Erweiterung des Brandenburgischen Textilmuseums mit Fördermitteln im Rahmen des Bundesprogrammes “Nationale Projekte des Städtebaus“.

Der Fördermittelantrag wurde durch die Stadt Forst (Lausitz) im November 2018 für das gesamte Projekt in Höhe von 8,24 Millionen Euro gestellt.

Abb. 2: Übergabe der Plakette – Premiumobjekt des Bundesprogrammes „Nationale Objekte des Städtebaus“. V. l.: Dr. Klaus-Peter Schulze, Simone Taubenek, Marko Wanderwitz, Kristian Schmidt. Foto: Forster Wochenblatt

Auch der Museumsverein versuchte den Antrag der Stadt Forst zu unterstützen. Um regionale politische Verantwortungsträger mit der Situation näher vertraut zu machen, wurden Schreiben an den Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg verschickt bzw. diese nach persönlichen Gesprächen mit den Bundestagsabgeordneten Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU) und Ulrich Freese (SPD) übergeben, um zu informieren sowie um kurzfristige Unterstützung zu bitten. Diese Gespräche erwiesen sich als sinnvoll.

Unabhängig davon erhielt die Bürgermeisterin der Stadt Forst (Lausitz), Simone Taubenek, Anfang April 2019 den Bescheid über eine 90 %-ige Förderung des gesamten Bauprojektes in Höhe von 7,416 Millionen Euro. Die Summe war ein Hammer und machte einen schon kurz sprachlos. Gleichzeitig war klar, dass alle Phasen der Umsetzung des Projektes schwierig und problembehaftet werden würden, dazu muss man weder Prophet noch Pessimist sein.

Zumindest war mit der Verpflichtung der Dr. Krekeler Generalplaner GmbH, insbesondere vertreten durch Stefan Gubelt und Liisa Loewe für die gesamte Bauplanung/Baubetreuung ein kompetenter und engagierter Partner gefunden. Auch der Fachbereich Stadtentwicklung und Bauen der Stadtverwaltung unter Leitung von Verwaltungsvorstand Heike Korittke zeigt großen Einsatz, insbesondere Nadine Schmidt, die Projektbeauftragte, ist mit Herzblut dabei. Diese Konstellation, einschließlich der komplizierte, weil vielschichtige Prozess der zu erstellenden Konzeption einer künftigen Dauerausstellung durch den Teamleiter Museum, Dr. Jan Klußmann, des umstrukturierten Eigenbetriebes für Kultur, Tourismus, Marketing der Rosenstadt Forst (Lausitz), geleitet von Stefan Palm, veranlasste die Mitgliederversammlung des Museumsvereins 2019 zu folgender Beschlussfassung: Der Vorstand wird beauftragt, die Aufhebung des Betreibervertrages mit der Stadt von 1996 im gegenseitigen Einvernehmen und die Übergabe des Museums in die Trägerschaft der Stadt Forst (Lausitz) vereinseitig vorzubereiten.

Dazu wurden, ausgehend von einem Gespräch mit der Bürgermeisterin, Abstimmungen mit Vertretern der Stadtverwaltung, Bereich Service, Bildung und Personal geführt, die weitestgehend Überstimmung darin erzielten, wie die Übernahme der Arbeitskräfte, der Umgang mit den Versorgungsverträgen sowie den Sammlungsobjekten zu erfolgen hat. Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung von September bis November 2020 bestätigten diese Anliegen. Der verantwortungsvolle Umgang mit einer Investitionssumme von insgesamt 8,24 Millionen Euro und die Schaffung einer neuen baulichen sowie gestalterischen Qualität des Museums als sogenanntes „Leuchtturmprojekt“ der Stadt, kann von einem ehrenamtlich geführten Verein nicht gestemmt werden.

Deshalb übernahm ab dem 1. Januar 2021 der Eigenbetrieb der Stadt Forst (Lausitz) die Trägerschaft des Textilmuseums, die Stadt fungiert als Bauherrin sowie Betreiberin des frühestens 2023 neu zu eröffnenden Museums. Welchen Namen dieses Museum dann tragen soll, wird diskutiert.

Die herausragende Leistung des Museumsvereins der Stadt Forst (Lausitz) e. V. ist es, 25 Jahre lang das Brandenburgische Textilmuseum Forst (Lausitz) auch gegen manche Vorbehalte erhalten, geführt und entwickelt zu haben, so dass es der Stadt Forst in einen gutem Zustand übergeben wurde.

Abb. 3: Eröffnung der Sonderausstellung „100 Jahre Wassersport in Forst (Lausitz)“ am 26.9.2019, Foto: Thoralf Haß

Das Textilmuseum, so wie es die Forster kurz nennen, hat sich als Marke auch in der Brandenburgischen Museumslandschaft, insbesondere der Industriemuseen, profiliert. Es wurden 117 Sonderausstellungen erfolgreich präsentiert, die Führungen in der Tuchmacherwerkstatt mit Erfolg betrieben. Auch Besucher, die mit Vorbehalten ein Textilmuseum besuchten, waren letztlich in der Mehrzahl begeistert, den Weg der Wolle zum Tuch zu verfolgen, insbesondere dem Highlight – der Vorführung funktionierender Textilmaschinen. Die authentischen Geräusche, der typische Geruch und die Feinmechanik der alten Technik begeistern heute immer noch.

Die museumspädagogische Arbeit war ebenso ein unverzichtbarer Teil der Museumsarbeit. Auch die Erweiterung der Sammlung durch diverse Leihgaben des Museumsvereins oder anderer Schenker/Leihgeber ist zu vermerken. Eine angedachte eigene Forschungsarbeit konnte, aus Kapazitätsgründen, nur über Projektvergaben oder Publikationen erreicht werden.

All dies honorierten auch die Besucher. So blieben die Besucherzahlen (gesamt) seit Jahren über der 7.000er Marke pro Jahr, 2019 waren es sogar 9.480. Solch ein Schnitt wurde 2020 unter den Bedingungen der Corona-Pandemie leider nicht erreicht, zumal das Museum im vergangenen Jahr insgesamt rund fünf Monate schließen musste.

Abb. 4: Gratulation durch die Bürgermeisterin an die Mitarbeiter*innen des Brandenburgischen Textilmuseums Forst (Lausitz) anlässlich seines 25. Gründungsjubiläums, Foto: Forster Wochenblatt

Hauptverantwortlich für diese erfolgreiche Arbeit waren Museumsleiterin Michaela Zuber, Museumsmitarbeiterin Angela Maaß, Museumstechniker Stefan Buss und Cornelia Gäbler als museumspädagogische Halbtagskraft. Unterstützt wurden sie in den letzten Jahren stundenweise bei den Tagesaufgaben oder Wochenenddiensten von zusätzlichen Kräften, wie Birgit Eichler*, Angela Seidel, Petra Ebel*, Ilona König*, Ulrich Rhode, Marina Heyne*, Barbara Petri, Lutz Nerlich und Hans-Georg Schiemenz* (*keine Vereinsmitglieder). Letzterer leistete ein Bundesfreiwilligendienstjahr im Museum ab und ordnete sowie dokumentierte als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger die umfangreiche vor- und frühgeschichtliche Sammlung des Museums – eine unentbehrliche Hilfe.

Zu Aktionstagen, wie zum Beispiel „125 Jahre Schwarze Jule“ 2018, Museumsaktionen wie anlässlich des „Steam-Rose-Festivals“ 2019 oder den Eisenbahnausstellungen zur Weihnachtszeit waren zahlreiche Vereinsmitglieder im Einsatz, aber auch zur kurzfristigen Absicherung von Wochenenddiensten oder anderen Betreuungsmaßnahmen.

So auch zur Feier anlässlich des 25. Museumsjubiläums am 29. August 2020 mit einem kleinen deutsch-polnischen Handwerkermarkt, Führungen durch die Tuchmacherwerkstatt oder die Sonderausstellung „5 Jahre Virtuelles Museum Brody/Pförten“. Dort waren wiederum 15 Helfer*innen des Museumsvereins aktiv, um den etwa 370 Besuchern einen interessanten Aufenthalt zu ermöglichen. Davon konnte sich auch die Bürgermeisterin unserer Stadt überzeugen, die diese Veranstaltung feierlich eröffnete. Ingrid Ebert unterstützte mit ihrer Drehorgel das Marktambiente. Der Verkauf regionaler Literatur aus Privatbeständen von Hagen Pusch und Frank Owczarek führte zu einer willkommenen Spende an den Museumsverein.

Abb. 5: Kleiner Handwerkermarkt anlässlich des 25. Museumsjubiläums am 29.8.2020

Natürlich wird der Museumsverein auch weiterhin das Museum mit allen seinen Möglichkeiten unterstützen und fördern. Darin sind sich alle Vereinsmitglieder einig. Darunter fallen auch Aktivitäten, den Sammlungsbestand des Museums zu erweitern. Unabhängig von der städtischen Sammlung konnte der Verein durch diverse Schenkungen oder bare Ankäufe den Sammlungsbestand seit 2005 bereichern. Bei regionalen Kunst- und Literaturobjekten betrug das Volumen der baren Ankäufe rund 32.600 Euro, bei Objekten zur Forster Stadteisenbahn wurden Bargeldmittel von rund 14.400 Euro ausgegeben, gesamt also etwa 47.000 Euro. Die Mittel stammen aus Spenden und Eigenmitteln des Vereins. Alle vorgenannten Objekte sind als Dauerleihgaben des Museumsvereins im Sammlungsbestand des Museums inventarisiert.

Das Forster Jahrbuch für Heimatkunde und Geschichte – ein Höhepunkt in der Vereinsarbeit

 Seit 2005 sind bisher 13 Jahrbücher dieser wichtigen Publikation auf dem Gebiet von Heimatkunde und Geschichte der Region um Forst (Lausitz) erschienen.

Wie 2013 versprochen, wird diese Schriftenreihe weitergeführt, allerdings im zweijährigen Erscheinungsmodus. Trotz des zweijährigen Herausgabe-Zeitraumes bleibt es ein, wenn auch letztlich angenehmer Arbeitsaufwand, die Autoren zu versammeln, um weitestgehend alle Beiträge für die redaktionelle Bearbeitung und das Layout vorliegen zu haben. Dies geschieht alles in ehrenamtlicher Zuarbeit und Begleitung. Allen Beteiligten, angefangen bei den Autoren bis hin zu den Mitstreitern in der Redaktion, gebührt ein hohes Maß an Dank und Anerkennung, ebenso allen treuen Lesern und Sponsoren.

Abb. 6: Die Forster Jahrbuchreihe von 2005 bis 2019/20

Das neue Jahrbuch 2021/22 ist in Vorbereitung. Zur aktuellen Redaktion gehören Angela Maaß (Redaktionsleiterin), Ramona Schäfer, Michaela Zuber, Kristian Schmidt und Michael Kranz. Letzt genannter ist unser gestaltender Layouter, so dass wir einige Wünsche unserer Autoren individueller umsetzen können, finanzielle Mittel sparen und einen wichtigen Zeitpuffer bis zur Druckreife gewinnen. Ein nicht zu unterschätzender Vorzug.

Das Forster Jahrbuch hat sich mittlerweile zu einer Sammlungsreihe und einem Nachschlagwerk zur regionalen Heimatkunde und Geschichte entwickelt. Die Vielfalt der Themen und der Anspruch auf niveauvolle und sachlich korrekt ausgerichtete Beiträge überzeugen die Leser. Dass dabei Autoren für die Forster Jahrbuchreihe Neuland betreten und hier als Erstautoren auftreten, freut uns besonders.

Auch ein Stamm bewährter Autoren ist ein Fundus für jede Redaktion. So schreibt zum Beispiel Ingrid Ebert von Beginn an für das Forster Jahrbuch.

Bisher haben 114 namentlich unterschiedliche Autoren in 255 Sachbeiträgen ihre „Spuren“ hinterlassen. Wir hoffen auf Fortsetzung dieser Arbeit, nicht nur der potentiellen Autoren, auch die Redaktion ist perspektivisch personell zu verstärken.

Natürlich gibt der Museumsverein selbst auch weitere Publikationen heraus bzw. unterstützt Publikationen als Ausstellungsbegleiter, wie zum Beispiel zu „Handwerk in Forst – Tradition und Zukunft“ 2016 oder die anderer Autoren, wie die Passarius-Reihe von Manfred Geisler.

Hervorzuheben ist dennoch der schon einige Jahre zu habende Bildband „Forst (Lausitz) – Eine Stadt im Wandel der Zeit“ in zwei Bänden. Ein Blick in das Früher und Heute unserer Heimatstadt mit einzigartigen Bildern.

Aktuell ist auch das Buch „Strich durch die Rechnung“ von Lars Amenda zu haben, welches die Geschichte zum UFA-Film mit Heinz Rühmann von 1932, gedreht auch auf der Forster Radrennbahn, vielseitig beleuchtet.

Der Forster Geschichtsstammtisch – ein starkes Angebot an alle geschichtsinteressierten Bürger

Abb. 7: Der 72. Geschichtsstammtisch am „Herzbörnchen“

Als im September 2013 der erste, gut besuchte Forster Geschichtsstammtisch im Lokal von Vereinsmitglied Franz Worrich stattfand, ahnte wohl keiner der Beteiligten, dass sich diese Veranstaltung langfristig so erfolgreich entwickeln würde. Nach einer Anregung von Lutz Nerlich entwickelte Frank Henschel ein tragfähiges Konzept, welches aus unserer Sicht weit über die Grenzen der Stadt Forst (Lausitz) hinaus ein einzigartiges Format der Geschichtsvermittlung bildet. Frank Henschel ist ein charismatischer Frontmann dieser Veranstaltung, der seine Neugier und Begeisterung für alle Themen nicht verbirgt. Allein seine digitalen Ankündigungsplakate sind „sammelwürdig“. Natürlich hat er sich einen Unterstützerkreis geschaffen, der ihm inhaltlich und organisatorisch zur Seite steht, so zum Beispiel Frank Junge, der für Bildtechnik und Kurzfilmbeiträge verantwortlich zeichnet, Jörg Pazzig übernimmt nötige Transport- und Verpflegungsaufgaben. Alle anderen, hier nicht gesondert aufgezählten Mitstreiter versammelt Frank Henschel einmal im Jahr zu einer Themenkonferenz. Daraus entstehen Themenhinweise für das kommende Jahr, oft übernimmt auch einer der Teilnehmer selbst einen „Stammtisch“. Im Oktober des Jahres 2020 wurde der 75. Forster Geschichtsstammtisch mit der Filmwiederaufführung „Strich durch die Rechnung“, nach 88 Jahren im Forster Hof, selbst Geschichte. Weitere fünf geplante Veranstaltungen im Jahr 2020 fanden wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie nicht statt und werden später nachgeholt.

Ein offizielles „Ranking“ dieser Veranstaltungsreihe gibt es nicht, dies ist jedem nach Interesse und Erinnerung selbst überlassen. Aber erinnert werden kann natürlich an einige, wie zum Beispiel in Bohrau mit über 150 Teilnehmern oder auch in der ehemaligen Tuchfabrik Pürschel mit 120 Besuchern, die nicht nur wegen der angekündigten Likörprobe neugierig waren. Gut besucht waren auch die Veranstaltungen in Klinge zur Notlandung des Ozeanüberquerers Chamberlain, zum ungewöhnlichen Thema „Nagelkreuze“ in der völlig überfüllten Gaststube des Hotels Haufe, dem Vortrag zum Forster Kaufhaus, die Jule-Vorträge auf dem Stadtbahnhof bzw. zu den Schwestern der „Schwarzen Jule“ in der Feuerwehr, dem ersten deutsch-polnischen Stammtisch in Zasieki (Berge) zu „Neißhammer und Neißmühle“, dem gemeinsamen Singen und Entdecken von „Herzbörnchen“, der spannenden Vorgeschichte sowie Suche nach dem Film „Strich durch die Rechnung“ mit Heinz Rühmann, die Interviews mit Manfred Mudlack oder Erhard Miek und viele andere mehr. Jeder einzelne auch hier nicht genannte Stammtisch war für sich ein „Highlight“. Vielleicht gibt Frank Henschel zum 100. Jubiläum noch einmal einen Überblick zum Besten. Tradition wurde auch, mindestens einmal jährlich eine geführte Wanderung in unsere nahe liegende Kultur- und Naturlandschaft anzubieten. Gruppen zwischen 40-60 Teilnehmern interessierten sich für die Bruchmühle mit dem anliegenden Tonschacht, dem verborgenen Luisensee und die Ziegelei Klein Kölzig, die Orchideenwiese und die Grenzerquelle bei Pusack, Preschen mit Feldsteinkirche und NSG „Mühlenbusch“, das Teichgebiet Mulknitz-Eulo und dem NSG „Euloer Bruch“ mit abschließendem Verzehr leckerer Fischbrötchen der Familie Junghanns oder dem Groß Jamnoer Urwald.

Abb. 8: Wanderung im Eulo-Mulknitzer Teichgebiet, 2019. Foto: Frank Henschel

Mittlerweile haben die Forster Geschichtsstammtische einen festen Besucherkreis, der manchmal so groß ist, dass geeignete Räumlichkeiten schwierig zu finden sind. Der Stammtischgedanke, also der nachfolgende Gedankenaustausch bei einem oder mehreren kühlen Getränken geht dabei manchmal verloren. Dies ist aber Jammern auf hohem Niveau. Der Museumsverein als Veranstalter freut sich über jeden Besucher. Bisher waren diese Angebote, bis auf einige Ausnahmen, kostenfrei. Kleine Spenden wurden zur Kostendeckung der Veranstaltungen oder für Projekte des Vereins gern angenommen.

Die Arbeitsgruppe „Stadtgeschichte“ – Friedhofsführungen einmal anders

Der Stamm der AG „Stadtgeschichte“ besteht zurzeit aus Barbara Petri, Monika Langhammer und Michaela Zuber. Bis 2018 war dort auch unser verdienstvolles Vereinsmitglied Hartmuth Seidel (†) aktiv. Die zur Mitgliederversammlung 2020 angeregte personelle Verstärkung sollte über Ramona Schäfer und Sebastian Wiegeleben gelingen. In der Stadt Forst (Lausitz) gibt es eine Reihe spannender Geschichtszeugnisse, wie den „Stadtgeschichtlichen Lehrpfad Industriekultur“, die Spuren der Forster Stadteisenbahn, die Zeugnisse der Industriebaukultur des 19. und 20. Jahrhunderts, die Stadtvillen, das moderne Bauen unter Stadtbaurat Dr. Rudolf Kühn in den 1920er Jahren, die Spuren der Brühlschen Stadtbebauung u. v. a. Dazu gehören auch die Forster Friedhöfe, insbesondere der Hauptfriedhof, der nicht nur Zeugnis einer Begräbniskultur seit 1870 ist, sondern gleichzeitig auch Einblick in 150 Jahre Stadtgeschichte bietet, wenn man die Grabstätten vieler dort bestatteter Forster Bürger genauer betrachtet.

Abb. 9: Barbara Petri mit Ausführungen beim Friedhofsrundgang 2020

So gab es am 30. April 2016 eine weitere thematische Friedhofsführung „Auf den Spuren literarischer Werke einstiger Forster“ und am 15. Oktober 2016 „Handwerk in Forst zwischen gestern und heute“. Die gute Resonanz dieser Veranstaltungsreihe führte am 14. Oktober 2017 unter dem Thema „500 Jahre Reformation“ zu einer weiteren Führung. Am 1. September 2018 wurde ein ebensolcher thematischer Spaziergang auf dem Friedhof Noßdorf absolviert. Zu allen diesen Veranstaltungen wurden Flyer erarbeitet, in denen man Details zu den Fakten und Persönlichkeiten nachlesen kann, aber auch einen kleinen Lageplan enthält, um vielleicht alles noch einmal wiederzufinden oder mit anderen zu entdecken.

Am 13. April 2019 übernahm Barbara Petri den Part auf dem Hauptfriedhof, um vom Wirken des Gartenbaudirektors Boese bis hin zur Architektur des Krematoriums von Stadtbaurat Dr. Kühn zu berichten sowie die Trauerhalle mit Zeugnissen des Wirkens Dresdener Bildhauer um Wrba, Born oder Wiedemeyer vorzustellen. Der Rundgang war Teil der Veranstaltung „Spuren des modernen Bauens – 100 Jahre Bauhaus – in Forst“, organisiert durch eine Architektin aus Cottbus.

Ein gewisser Höhepunkt der Reihe der Friedhofsführungen war eine gemeinsame Veranstaltung am 12. September 2020 mit dem Literaturtheater und dem Senckenberg-Museum, beide aus Dresden, anlässlich der Museumsnächte des Landkreises Spree-Neiße. Die Veranstaltung stand unter der Federführung des Museumsvereins der Stadt Forst (Lausitz) e. V., unterstützt von Mitarbeitern der Friedhofsverwaltung der Stadt. Auch der FL Feuerbestattungen GmbH sei für ihre großzügige Unterstützung gedankt.

Abb. 10: Friedhofsrundgang mit dem Dresdener Literaturtheater

„Ewiges Leben für einen Rubel – oder Wer hat Gogols Schädel gestohlen. Eine kleine Kulturgeschichte des Todes im orthodoxen Rußland“. – Schon diese Ankündigung versprach ein ungewöhnliches Erlebnis aus heiteren, besinnlichen und kulinarischen Momenten in Verbindung mit heimatkundlichen und stadtgeschichtlichen Aspekten. Im Wechsel der Akteure vom Literaturtheater, Martin Kaden (Senckenberg) sowie Michaela Zuber und Barbara Petri wurden unterhaltsame und lehrreiche Beiträge vermittelt, die man sonst so auf einem Friedhof kaum zu sehen oder zu hören bekommt. An dem kostenfreien, reichlich zweistündigen Spaziergang erfreuten sich etwa 60 Besucher. Durch die Corona-Auflagen war die Teilnehmerzahl beschränkt worden. Anschließende Spenden der Besucher von 270 Euro kamen der Renovierung der Grabstätte von Emil Borchardt zu Gute.

Spannende Projekte und Visionen zur Forster Stadteisenbahn

Die Forster Stadteisenbahn, im Volksmund „Schwarze Jule“ genannt, war für den Museumsverein immer ein besonderes Objekt der Stadtgeschichte, zumal die Bahn von 1893 bis 1965 72 Jahre lang mit allen Höhen und Tiefen im Dienste unserer Stadt stand.

Man muss kein Eisenbahnverein sein, um dieses stadtgeschichtliche Unikat zu würdigen, zumal 2012 die Originallok Nr. 36, Baujahr 1893, von Dresden nach Forst zurückkehrte. Seitdem ist der Museumsverein durch verschiedene Vorschläge bemüht, die Lok Nr. 36 in das Brandenburgische Textilmuseum zu integrieren. Die Umsetzung des jetzigen Planes, in Verbindung mit dem Museumsumbau in einem neu zu errichtenden „Lokschuppen“ ein ständiges Domizil mit Gleisanbindung zu schaffen, wird von uns u. a. sehnsüchtig erwartet. Aktuell notwendige Umplanungen führen jedoch zur Verkürzung des geplanten Ausstellungskomplexes der Stadteisenbahn und verhindern leider die Unterbringung unseres rekonstruierten Meterspurwagens, zudem geht wertvolle Ausstellungsfläche verloren.

Durch den Museumsverein wurden vielfältige Aktivitäten realisiert, da zur Forster Stadtbahn kein originales Rollbock- oder Wagenmaterial mehr existiert, auch Original-Unterlagen und anderes Zubehör sind mehr als rar. Deshalb hier kurz einige dieser Aktivitäten seit 2016:

Abb. 11: Vor der Lok Nr. 36, von links: K. Schmidt, R. Hauptvogel, S. Schlenkrich, Ch. Menzel. Foto: Christian Menzel

Auf Initiative von Ralf Hauptvogel und Christian Menzel, in Absprache mit den zuständigen Verantwortlichen des Verkehrsmuseums Dresden und der Stadtverwaltung Forst (Lausitz), fand am 11. Oktober 2016 die sogenannte „trockene“ Kesselprüfung statt. Beide Akteure hatten zuvor mit Sven Schlenkrich in mehreren Arbeitseinsätzen diese Kesselprüfung ermöglicht. Dabei ging es um das Auffinden des Kesselschildes, des Lösens der Reinigungsschrauben bis hin zur Entfernung von Rost- und Kalkablagerungen am Kessel, der Feuerbüchse und den Heizrohren, etc. Vom Museumsverein begleitete Kristian Schmidt diese freiwilligen Arbeitseinsätze an zwei vollen Sonnabendschichten.

Die Mühe hatte sich gelohnt, als der Dampfkesselprüfer Hans Förster im wohlklingenden sächsisch sagte: „Von mir aus kann sie fahren“. Damit war vordergründig der gute Zustand des Kessels gemeint, der eine weitere Aufarbeitung der Lok für den Weiterbetrieb zulassen würde.

Am 19. November 2016 machten sich Kristian Schmidt, Ralf Hauptvogel und Volker Böhme auf den Weg nach Schönberger Strand bei Kiel. Dort unterhält der „Verein Verkehrsamateure und Museumsbahn e. V.“ eine Sammlung von Schienenfahrzeugen, darunter waren auch die für uns interessanten Rollböcke – allerdings keine der früher in Forst genutzten aus Esslinger Produktion, solche wurden bisher noch nicht bundesweit angeboten. Die von der Ottensener Industriebahn Hamburg unterscheiden sich in Konstruktion und Aussehen etwas von den Esslingern, aber für die Demonstration der Rollbocktechnik war es ein tragfähiger Kompromiss, so dass der Museumsverein die beiden Rollböcke nach konstruktiven Verhandlungen erwerben konnte.

Abb. 12: Ankunft der Rollböcke im Textilmuseum am 16.5.2017, Foto: M. Zuber

Beim Abtransport vom Schönberger Strand gab es dennoch eine Schrecksekunde, da der dortige Kran wegen technischer Probleme ausfiel. Dem Kraftfahrer der Spedition „Overseas“ aus Simmersdorf ist es zu danken, dass der Transport nicht „platzte“, denn er improvisierte und bat ihm unbekannte Kollegen einer nahen Straßenbaustelle mit einem Radlader auszuhelfen. So kamen die beiden Rollböcke nur mit leichter Verspätung im Forster Textilmuseum an.

Um die Rollbocktechnik demonstrieren zu können, fehlte nun noch ein geeigneter Normalspur-Güterwagen. Eine Suche mit vielem Hin und Her begann. Wunschangebote offener oder gedeckter Güterwagen wurden mit unklaren Begründungen zurückgezogen, andere waren zu teuer oder mit nicht erfüllbaren Auflagen behaftet. Dann führte uns der Weg tief in den Westen nach Gummersbach zum IG Bw Dieringhausen e. V. Am 18. November 2017 machten sich Kristian Schmidt, Ralf Hauptvogel und Uwe Zeihser auf den Weg zu den dortigen Eisenbahnfreunden. „Unser“ vorher ausgeguckter gedeckter Güterwagen, ohne Radsätze, war aus einer hinteren Ecke herausgehoben worden und stand leicht schräg auf dem Gleis. Auf den ersten Blick war es ein „Wrack“, auf den zweiten Blick schien die Grundsubstanz doch noch verwendbar.

Abb.13: Das „Wrack“ vor Ort in Dieringhausen

Das Angebot, zwei Speichenradsätze dazu einzuachsen, wenn auch mit vier verschiedenen Achslagerdeckeln, nahmen wir letztlich an. Dieser Güterwagen stammte ursprünglich von der Werkbahn der Alkaliwerke Westeregeln und fuhr danach mit der Nr. 27 beim VEB Orbiplast. Die weitere Aufarbeitung erfolgte in Forst (Lausitz), zumal dieser Güterwagen anlässlich des Jule-Aktionstages am 26. Mai 2018 renoviert vorgezeigt werden sollte. Am 9. März 2018 kam der gedeckte Güterwagen mit der Spedition Rubin in Forst an. Es standen nun zwei (!) Monate zur Verfügung, um daraus ein vorzeigbares Exponat zu machen. Nur der konzentrierte Einsatz aller Unterstützer und Helfer ließ es zu, dass der überarbeitete Güterwagen etwa eine Woche vor Veranstaltungsbeginn am 18. Mai 2018 per Kran im Museum auf die Rollböcke aufgesetzt wurde. Wahnsinn!

Abb. 14: Abladen des renovierten gedeckten Güterwagens mittels Kran im Museumsgelände. Foto: Frank Junge

Die groben Vorarbeiten an Dach, Beplankung, Radsätzen und Rahmen, einschließlich Holz- und Metallkonservierung erledigten elf Vereinsmitglieder in Arbeitseinsätzen von etwa gesamt 120 Stunden. Bei den unterstützenden Firmen übernahm die mebra GmbH die Metallarbeiten. Hagen Pusch baute sogar einen Zettelhalter nach Originalvorbild. Die angegriffene hölzerne Dachkonstruktion wurde von der Zimmerei Michael Böttcher repariert. Dachdecker Olaf Lobner sorgte für die Einrüstung und eine neue „Dachhaut“. Malermeister Jörg Pazzig brachte zwei Farbanstriche auf und Bernd Ratajczak beschriftete den Wagen sachgerecht. Auf Grund der bauartbedingten Abweichungen unseres Exponates gegenüber früheren Wagen der Deutschen Reichsbahn wurde als tragfähiger Kompromiss eine rotbraune Farbgebung und das Eigentumsmerkmal „Museumsverein der Stadt Forst (Lausitz) e. V.“ gewählt.

Am Jule-Aktionstag, dem 26. Mai 2018, wurde vom Museumsverein der 125. Jahrestag der Eröffnung der Forster Stadteisenbahn feierlich begangen. Pünktlich um 11 Uhr begann im Feuerwehrgebäude vor der geschmückten Lok Nr. 36, ebenso Baujahr 1893, die Feierstunde mit Begrüßungsworten des Vereinsvorsitzenden. Die Bürgermeisterin Simone Taubenek sprach die Grußworte der Stadt. Die amtierende Rosenkönigin schmückte die Lok mit einem symbolischen Rosenstrauß, ehe die Besucher nach dem Jule-Lied des Chores des DRK „ihre Schwarze Jule“ in Beschlag nahmen. Christian Menzel übergab dem Vereinsvorsitzenden eine kleine Heizerschaufel, die letztlich ebenso auf die Vision einer Fahrt der Lok unter Echtdampf hinwies.

Abb. 15: Enthüllung des renovierten gedeckten Güterwagens. Foto: Thoralf Haß

Auch unsere Souvenirs, ein Jule-Kalender 2019, die Sonderpostkarte mit Jule-Stempel und Broschüren zur Forster Stadtbahn fanden guten Zuspruch. Ab 13 Uhr wurde das Fest in das Brandenburgische Textilmuseum verlegt. Neben einer Sonderausstellung zur Stadteisenbahn und Führungen in der Schauwerkstatt gab es auf dem Museumshof verschiedene Angebote von der Kinderbetreuung, über die Amateurfunker mit ihrer Sonder-QSL-Karte zum 125. Jule-Jubiläum bis hin zur Verköstigung mit Bäcker Langners Kuchen, Bernd Walters Gegrilltem, Franz Worrichs „Schwarze-Jule-Bier“ und Blasmusik. Dazu bot die Familie Herrmann mit dem von Richard Zerbock gefertigten Jule-Nachbau Rundfahrten an. Ein besonderes Erlebnis war die Enthüllung unseres renovierten gedeckten Güterwagens mit Hilfe einer Gruppe der hiesigen Steam-Punker, ergänzt mit einem kleinen Film zum spektakulären Antransport mittels Tieflader und Kran. Insgesamt 22 Vereinsmitglieder waren an diesem Tag im Einsatz, um den Besuchern einen erlebnisreichen Tag zu bieten. Solch ein ehrenamtlicher Einsatz, sowohl im Vorfeld und am Festtag selbst, zeigt am deutlichsten das Engagement sowohl jedes Einzelnen als auch gemeinsam handelnd die Stärke des Ehrenamtes im Museumsverein.

Abb. 16: Cover der „Schwarze Jule“-DVD

Der Höhepunkt des Tages war zweifellos die Uraufführung unseres Films und der Verkauf der DVD „Die Schwarze Jule – Auf den Spuren der Eisenbahnlegende aus ´Forschte`“. In ca. 60 Minuten Laufzeit sind nicht nur für den Eisenbahninteressierten einzigartige Bilder zur Forster Stadteisenbahn und zur Stadtgeschichte zu sehen. Es ist somit kein Wunder, dass die erste Auflage von 500 Stück ausverkauft ist.

Diese DVD ist der Abschluss der erfolgreichen Arbeit der Arbeitsgruppe „Schwarze Jule“ unter der zielstrebigen Leitung von Uwe Zeihser. Diese AG konstituierte sich am 2. März 2017, um über Recherchen und eine Materialsammlung ein Konzept zu diesem Film zu erstellen. Dazu waren umfassende Vorarbeiten nötig, einschließlich des Abfahrens und der Dokumentation der Fahrstrecken mit dem Zerbock´schen Jule-Nachbau. Auch die Suche nach dem Sprecher des Begleittextes oder die Auswahl der unterlegten Musik waren spannende Momente. Diese wurden eigentlich nur noch übertroffen von den manchmal kontroversen, zumindest aber lebhaften Diskussionen zu den verschiedenen Filmsequenzen der Rohfassung. Neben Uwe Zeihser gehörten zur AG: Frank Junge und Gundolf Fiehler für die Film-und Tricktechnik, Thoralf Haß für den hinterlegten Text, Volker Böhme, Michaela Zuber, Hagen Pusch, Kristian Schmidt und später auch Martin Schneider (Sprecher). Allen Beteiligten nochmals vielen Dank für diese außergewöhnlich gelungene Arbeit.

Abb. 17: Der Meterspurwagen vor der Aufarbeitung im Oktober 2017

Am 23. Oktober 2017 konnte über einen Ringtausch ein Meterspurwagen, um 1907 von der ehemaligen Breslauer Firma Hofmann gebaut, nach Forst geholt werden. Der offene Güterwagen war bis etwa 1939 in Meißen im Einsatz, zuletzt auf der Insel Langeoog. Durch verschiedene Veränderungen an diesem offenen Güterwagen, entstand das Projekt der Rekonstruktion eines Meterspurwagens der Forster Stadteisenbahn in Annäherung an sein historisches Vorbild.

Der etwas sperrige Titel weist darauf hin, die Spurweite passte, die Radsätze ebenso, auch ein Teil der Grundkonstruktion war nutzbar, alles andere musste angepasst bzw. neu gebaut werden.

Dazu wurde vom Vereinsvorsitzenden 2018 ein Förderantrag an die Lokale Aktionsgruppe Spree-Neiße-Land e. V. (LAG) eingereicht, um eine 80 %-ige Fördersumme von der bilanzierten Gesamtsumme von 5.073,90 Euro zu bekommen. Der Förderantrag wurde im März 2019 bewilligt und sollte am 15. September 2019 mit der Übergabe des rekonstruierten Meterspurwagens beendet sein. Dies klingt relativ unkompliziert, aber dutzende Kostenvoranschläge und Vorabsprachen sowie die Genehmigungspflicht zu allen geförderten Aktivitäten waren teilweise schwierig zu koordinieren. Die gute Zusammenarbeit mit Frau Lohmann und Frau Tilch vom Regionalmanagement der LAG war dem Projekt förderlich. Die über die LAG gebundenen Firmen arbeiteten sehr gut, insbesondere die mebra GmbH, aber auch die Tischlerei Kochan, die Verkehrstechnik Lehmann GmbH aus Vetschau sowie die Spedition „Overseas“ GmbH aus Simmersdorf.

Neben den baren Eigenleistungen am Förderbetrag übernahm der Museumsverein die Kosten der Aufarbeitung der vier Federpakete im tschechischen Žamberk. Des Weiteren wurden von den Vereinsmitgliedern anstelle der 54 geplanten (unbaren Eigenleistungen) letztlich 130 Stunden in Arbeitseinsätzen geleistet. Die Planung der Einsätze oblag dem Vereinsvorsitzenden. Dank an alle Helfer: Hagen Pusch, Lutz Nerlich, Frank Henschel, Lutz Steinborn, Uwe Zeihser, Volker Böhme, Jörg Pazzig, Ralf Hauptvogel, Christian Menzel, Frank Junge, Stefan Buss, Kristian Schmidt sowie Ralf Grützmacher, Ralph Kalisch und Bernd Ratajczak (Beschriftung April 2020), letztere sind keine Vereinsmitglieder. Die Rekonstruktion der historischen Kupplung steht noch aus.

Der Fertigstellungstermin des Projektes wurde gehalten, die feierliche Übergabe des rekonstruierten Meterspurwagens erfolgte am 18. Oktober 2019.

Abb. 18: Gruppenaufnahme der Helfer am Übergabetag. Foto: Forster Wochenblatt

Andere Projekte seien hier nur noch kurz erwähnt, wie der Arbeitseinsatz von sieben Vereinsmitgliedern an der denkmalgeschützten historischen Weiche auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerkes am 21. September 2019, um deren eventuelle Tauglichkeit für eine Verbauung im Museumsgelände zu prüfen. Oder der aufwendige Erwerb der Original-„Concessions“-Bücher“ der Forster Stadteisenbahnloks 2, 3 und 38 von einem privaten Sammler, alles unverzichtbare Unikate.

Hier soll auch die engagierte Arbeit von Volker Böhme mit der AG Modelleisenbahn gewürdigt werden, die gerade bei den stark besuchten Weihnachtsausstellungen mit Modellbahnanlagen ihren großen Auftritt hatten. Leider bleibt die personelle Besetzung der AG vakant, da die jugendlichen Mitglieder durch Lehre, Ausbildung oder Studium selten oder nur an einigen Wochenenden noch in Forst (Lausitz) sind. Eine kontinuierliche Arbeit ist somit nicht gegeben, die Werterhaltung oder Reparaturen stehen im Vordergrund

Studienfahrten und Exkursionen – ein Blick über den „Tellerrand“

 Die Organisation von Studienfahrten ist für den Organisierenden meist eine aufwendige Arbeit. Deshalb sind eine entsprechende Resonanz und Interesse an diesen Aktivitäten mehr als wünschenswert.

Solche Maßnahmen finden sowohl vereinsintern, als auch vereinsübergreifend statt.

Die Studienfahrten der letzten Jahre führten uns 2016 in das umgestaltete Cottbuser Stadtmuseum und 2017 in das Konrad-Zuse-Museum nach Hoyerswerda – beides interessante museale Einrichtungen in unserer Region, die man kennen sollte. Für die Organisation war Hartmuth Seidel (†) federführend tätig.

2018 organisierte Barbara Petri eine Besichtigung des bekannten Dorotheenstädtischen Friedhofes in der Berliner Friedrichstraße gelegen und einen Rundgang von der Friedrichstraße über den Spreebogen zurück zum Hauptbahnhof.

Am 19. Oktober 2018 begutachteten sieben Vereinsmitglieder einen optisch auffälligen Rundhügel bei Jerischke, den zuvor Mitarbeiter des Munitionsbergungsdienstes bei der Untersuchung der nebenan liegenden Schützengräben festgestellt hatten. Auch wenn keine relevanten Dinge festgestellt wurden, wurde durch Stefan Buss der Hügel vermessen und ein Protokoll für die Bodendenkmalpflege verfasst. Grabungen wurden unterlassen.

Zuvor wurde eine Fundstelle mit Eisenschlacken im Wald nahe Gosda II untersucht. Auch diese spannende Form einer Exkursion vermittelt Einblicke in die Natur- und Heimatkunde unserer Region.

Am 11. Mai 2019 unternahm eine kleine Gruppe unseres Vereins eine Exkursion in den Tertiärwald Cottbus. Dort pflanzten wir zu Beginn einen von uns gekauften Rot-Ahorn, um den Baumbestand des dortigen Hartholz-Auwaldes zu bereichern. Trotz der letzten Trockenjahre steht unser junger Baum auch heute noch. Rolf und Ursula Striegler nahmen uns anschließend mit auf einen lehrreichen Rundgang durch dieses Kleinod im Cottbuser Spreeauenpark, vorbei an den typischen Sumpfzypressen, den 1982 im Tagebau Klettwitz gefundenen fossilen Mammutbaumstubben bis hin zu den noch jungen Mammutbäumen. Ein interessanter Rückblick in eine nachgestaltete Flusslandschaft der Ur-Elbe vor etwa 10 Millionen Jahren im Jung-Tertiär.

Abb. 19: Pflanzung eines Rot-Ahorns im Cottbuser Tertiärwald und der Baum im Herbst 2020

Eine gut besuchte Studienfahrt, organisiert von Michaela Zuber, führte am 29. September 2019 nach Kostrzyn (Küstrin). Die dortige Führung zu den Resten der Festungsruine und der geschichtsträchtigen Altstadt war für alle Teilnehmer sehr informativ. Unvorhergesehene Probleme bei der Mittagsversorgung konnten durch flexibles Handeln von Michaela Zuber abgewendet werden. Der Rückweg erfolgte mit Stadtführung über Frankfurt/Oder.

 

Abb. 20: In der Festungsstadt Küstrin, Foto: Thoralf Haß

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fazit

Mit dem bereits thematisierten Umbau unseres Museums im Jahr 2021 „verliert“ der Verein zunächst seine Heimstätte sowie den Anlaufpunkt für verschiedene Veranstaltungen und Begegnungen. Neben einer zeitnahen Satzungsänderung als eigenständiger Verein und der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten, müssen wir uns auch um eine bessere Informationstätigkeit bemühen. Ein Mittel dazu ist die von Thoralf Haß überarbeitete und gemeinsam mit Michaela Zuber inhaltlich ausgestaltete Internetseite – www.museumsverein-forst.de -. Hier sind aktuelle und grundlegende Informationen über unseren Verein abrufbar.

Sollte der vorgesehene Show-Room so entstehen, wie vom Eigenbetrieb konzipiert, wäre eine weitere Möglichkeit der „Bürgerbeteiligung“, sprich auch der Vereinsarbeit gegeben.

Unabhängig davon stehen Vorschläge für die Arbeit an neuen Projekten oder Arbeitsgruppen unter dem Dach des Museumsvereins zur Debatte.

Unser Verein teilt mit vielen anderen in der Stadt die Sorge nach interessiertem Nachwuchs. Auch wir haben bisher kein Rezept gefunden, dieses Dilemma in zielführende Bahnen zu lenken. Man muss sich letztendlich um jeden Einzelnen bemühen, der sich aktiv für die Forster Heimat- und Stadtgeschichte interessiert und engagieren möchte.

Abb. 21: Junge Forster in der Tuchmacherschauwerkstatt. Foto: Rainer Weisflog

Unabhängig davon sind wir allen unseren Mitgliedern, Sympathisanten und Unterstützern dankbar, die uns in den 30 zurückliegenden Jahren begleitet haben und uns auch für die kommenden Jahrzehnte zur Seite stehen möchten.

Auch allen Vereinsmitgliedern, die in den vergangenen Jahren Verantwortung in der Vereinsarbeit übernommen haben, sei an dieser Stelle ausdrücklich gedankt. Dies gilt insbesondere für die Mitglieder, die zurzeit im Vorstand des Vereins verantwortlich aktiv sind, wie Michaela Zuber, Angela Maaß, Barbara Petri, Hagen Pusch, Stefan Buss, Bernd Walter und Kristian Schmidt (Vereinsvorsitzender).

Wir sind bereit, weitere Projekte und Ideen umzusetzen, auch im Rahmen des geplanten Um- und Ausbaus des Museums unter der Trägerschaft der Stadt. Wir wünschen uns natürlich auch zukünftig im „neuen“ Museum eine willkommene Heimstatt zu finden, um gemeinsam einen Beitrag zur Entwicklung unserer Heimatstadt auf diesem Gebiet zu leisten.

Das Wort – wir – in diesem Aufsatz beschreibt unser gemeinsames Anliegen, eine lebendige Vereinsarbeit zu gestalten, welche der Vorstand des Museumsvereins entsprechend fördert und unterstützt. Natürlich sind der konkrete Beitrag und die Eigeninitiative des Einzelnen immer willkommen.

(Auszug aus der Broschüre „30 Jahre Museumsverein der Stadt Forst (Lausitz) e. V. – Rückschau und Ausblick“, Text: K. Schmidt, Satz: M. Zuber, Januar 2021)

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