10 Jahre Museumsverein
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7. Februar 1991
25 Jahre
7. Februar 2016

Museumsverein der Stadt Forst (Lausitz) e.V.

Festveranstaltung am 14. Februar 2016
im Brandenburgischen Textilmuseum
Forst (Lausitz) 

Inhalt

 

 

Hagen Pusch, Vorsitzender des Museumsvereins der Stadt Forst (Lausitz) e.V.
 

Lausitzer Rundschau, 01.02.2016
Forster Museumsverein feiert 25 Jahre Jubiläum
Festveranstaltung am Sonntag im Textilmuseum

Lausitzer Rundschau 11.02.2016
"Forst hat etwas ganz Besonderes"
Brandenburgs Museumsverband lobt überdurchschnittliche Besucherzahl im Textilmuseum

Lausitzer Rundschau 15.02.2016
Schwarze Jule wäre die Krönung
Auch nach einem Vierteljahrhundert gehen Museumsverein Forst Ideen und Arbeit nicht aus

Forster Wochenblatt 19.02.2016
Silber gefeiert, Gold verdient
Festveranstaltung 25 Jahre Museumsverein:
Große Erfolge gewürdigt und neue Ziele vorgestellt

Programmablauf  14. Februar 2016, Beginn 11.00 Uhr


 
Festrede 

Hagen Pusch
Vorsitzender des Museumsvereins
der Stadt Forst (Lausitz) e.V.


 
Grußworte

Dr. Dietmar Woidke
Ministerpräsident des Landes Brandenburg
 



Grußworte

Hermann Kostrewa
1. Beigeordneter
 Landrat des Landkreises Spree-Neiße
 



Grußworte

Philipp Wesemann
Bürgermeister
der Stadt Forst (Lausitz)
 



Grußworte

Dr. Susanne Köstering
Geschäftsführerin
des Museumsverbandes des Landes Brandenburg
 

 
Ein Vierteljahrhundert Engagement für die Geschichte der Stadt: Herausforderungen in
25 Jahren Museumsverein der Stadt Forst (L.) e. V.
 

Sven Zuber
Gründungsmitglied des Museumsvereins
der Stadt Forst (Lausitz) e.V.
 


 
Grußworte

Diethelm Pagel
Vorsitzender
Verein Gubener Tuche und Chemiefasern e. V.
 

 
Büfett und Bühnenprogramm
Harmonische Songpoesie mit "Träumer und Menschen" aus Cottbus sowie Andreas Wolf vom Karnevalsverein Forst-Sacro 1979 e. V.

 

Impressionen

    
 
    
   
    
   
    
 
  
  
  

  
  

  
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Festrede

Hagen Pusch, Vorsitzender Museumsverein der Stadt Forst (Lausitz) e.V.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dr. Woidke, sehr geehrter Vertreter des Landrates, Herr Kostrewa,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Wesemann, sehr geehrte Frau Dr. Köstering,
sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher Tischer,
sehr geehrte Gäste, liebe Vereinsmitglieder,

es ist mir eine Ehre und Freude zugleich, Sie heute hier im Brandenburgischen Textilmuseum zu unserer Festveranstaltung aus Anlass des 25-jährigen Gründungsjubiläums des Museumsvereins der Stadt Forst (Lausitz) begrüßen zu dürfen!

Dass Sie so zahlreich unserer Einladung gefolgt sind, zeigt in beeindruckender Weise, welchen Stellenwert unser Verein mit der Zeit regional und überregional einnimmt. Ein Verein, der vor genau von 25 Jahren und einer Woche, von 11 engagierten Forster Bürgerinnen und Bürgern gegründet wurde, heute 115 Mitglieder zählt und der mit der Auszeichnung „Verein des Jahres im Land Brandenburg“ 2015, landesweite Anerkennung fand.

Nun sind 25 Jahre sicher keine Ewigkeit, aber in weiten Teilen unseres Kulturkreises wird solch ein Zeitabschnitt mit silbernen Ehren in Verbindung gebracht. Silberhochzeit bei Ehepaaren, silberner Meisterbrief für Handwerker, silberne Ehrennadeln für eine entsprechend lange Mitgliedschaft in Vereinen oder Organisationen. Irgendwie immer Anlass, ein solches Jubiläum würdig zu begehen. Und so soll auch die heutige Festveranstaltung unter diesem Vorzeichen stehen. Dazu wünsche ich Ihnen jetzt schon mal eine angenehme Zeit, gute Gespräche und viel Freude an unserem Erinnerungsgeschenk, welches wir für Sie vorbereitet haben.

Mit meinen folgenden Ausführungen möchte ich nicht all zu sehr in die Geschichte des Vereins abtauchen denn dazu haben wir im Anschluss an die Grußworte noch Gelegenheit, wenn Gründungsmitglied Sven Zuber seine Sicht auf unsere 25-jährige Geschichte darlegt.

Im Zuge der heutigen Jubiläums-Veranstaltung möchten wir nicht nur stolz auf Erreichtes zurückblicken sondern auch gleichzeitig allen aktiven Mitgliedern und Förderern unseres Vereins Dank sagen. Es ist sicher nicht selbstverständlich, dass in ehrenamtlicher Tätigkeit ein Verein so intensiv am geistig-kulturellen Leben einer Stadt Anteil nimmt bzw. Anteil hat. Wir sind uns unserer kommunalen Verantwortung in Bezug auf die in unserer Satzung festgeschriebenen Aufgaben des Sammelns, Bewahrens, Forschens und Präsentierens zu Themen der Forster Stadt- und Industriegeschichte mehr als bewusst und mit der Betreibung des Brandenburgischen Textilmuseums mit seiner „lebendigen“ Schauwerkstatt leistet der Verein ein, aus der hiesigen Kultur- und Museumslandschaft, nicht mehr wegzudenkendes Stück Arbeit. Stellvertretend für alle aktiv engagierten Vereinsmitglieder möchte ich an dieser Stelle Frau Angela Maaß und Frau Michaela Zuber nennen, die seit gefühlten „Jahrzehnten“ die Leitungsfäden für Verein und Museum fest in ihren Händen halten, auf die stets Verlass ist und die unermüdlich an der Lebendigkeit unserer Einrichtungen arbeiten!

Vielfältig ist das Vereinsleben in 25 Jahren geworden und immer mehr Forster Bürgerinnen und Bürger nehmen unsere Angebote, auch wenn sie nicht unbedingt Vereinsmitglieder sind, dankend an. Ob in verschiedenen Arbeitsgruppen, bei der Erarbeitung und Publizierung unserer Jahrbücher und Bildbände, ob bei Studienfahrten oder beim Geschichtsstammtisch, das Interesse ist stets sehr groß! Und das ist uns natürlich auch gleichzeitig Ansporn zu zeigen, dass museale Vereinsarbeit nicht zwangsläufig an- oder eingestaubt sein muss, sonder interessant und abwechslungsreich sein kann, ja, sein muss!

Auch die aktive Beteiligung und Mitarbeit an kommunalen Großereignissen, wie zum Beispiel der „Brandenburg-Tag“ 2006, „100 Jahre Ostdeutscher Rosengarten“ 2013, oder „750 Jahre Stadt Forst (Lausitz)“ im vergangenen Jahr, sind für uns selbstverständlich, aber auch immer wieder Herausforderung und Möglichkeit, das Betätigungsspektrum zu erweitern. Zu dieser Bereicherung gehört mit Bestimmtheit auch die Eingliederung des ehemaligen Forster Modelleisenbahnvereins in unseren Verein. Diese Fusion zeigt seit vielen Jahren, nicht zuletzt mit dem Aufbau einer Jugendgruppe „Modellbau“, viel Erfolg. Ebenso die zu einem Besuchermagneten gewordenen Modellbahnausstellungen im Rahmen der Weihnachtsausstellungen im Museum, belegen das.

Natürlich hat der Verein auch für die Zukunft Wünsche und Ziele, die es anzuvisieren und umzusetzen gilt! Zu den wichtigsten zählen die Integrierung einer ständigen stadt- und heimatgeschichtlichen Ausstellung, hier in den Räumen des mittlerweile auch schon 20-jährigen Textilmuseums und die öffentliche und würdevolle Präsentation der ehemaligen Forster Stadteisenbahn, unserer „Schwarzen Jule“, hier auf dem Museumsgelände. Seit Rückführung der Lok vor fast vier Jahren aus dem Dresdener Verkehrsmuseum, kämpft der Verein, bisher immer noch vergeblich, um diese Möglichkeit. Leider konnte lange Zeit dazu mit der Stadtverwaltung kein zufriedenstellender Konsens gefunden werden. Neue Planungen lassen dazu etwas Hoffnung keimen. Wann es allerdings dann endgültig so weit sein wird, ist noch nicht abzusehen. Weiter müssen daher die Forster Einwohner und ihre Besucher auf ein stadthistorisch einmaliges Identifikationsobjekt verzichten. Schade!

Doch es gibt für uns noch mehr Aufgaben und Projekte, die mit einer aktiven Vereinsarbeit, mit Ideen und Elan angegangen und umgesetzt werden müssen.

Vor allem, was eine zukunftsorientierte Betreibung der Tuchmacher-Schauwerkstatt und überhaupt die weitere Entwicklung des Museums betrifft.

Schließlich wollen wir zum 50-jährigen Vereinsjubiläum nicht mit leeren Händen dastehen und nur noch von Erinnerungen leben!

Ich wünsche Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren, für den heutigen Tag noch angenehme Stunden und gute Unterhaltung bei unserem weiteren Programm. Lassen Sie sich musikalisch und kulinarisch verführen und vor allem, bleiben Sie uns weiterhin gewogen. Für Ihre hilfreiche und kreative Mitarbeit und Unterstützung, vor ab herzlichen Dank!

 

Lausitzer Rundschau, 01.02.2016

Forster Museumsverein feiert 25 Jahre Jubiläum

Festveranstaltung am Sonntag im Textilmuseum

Am 7. Februar jährt sich das Gründungsdatum des Museumsvereins der Stadt Forst zum 25. Mal. Das wird am Sonntag, den 14. Februar, in würdigem Rahmen im Brandenburgischen Textilmuseum Forst gefeiert. Zu der Festveranstaltung sind Gründungsmitglieder, Förderer und "Prominente" eingeladen. Darunter natürlich Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), der auch Mitglied des 1991 gegründeten Museumsvereins der Stadt ist, und Susanne Köstering, Geschäftsführerin des Museumsverbandes des Landes Brandenburg. Auch der Forster Bürgermeister Philipp Wesemann (SPD), ebenfalls Vereinsmitglied, wird erwartet zu einem Grußwort. Die Festrede hält der Vorsitzende des Museumsvereins, Hagen Pusch.

Sven Zuber, Initiator, Gründungsmitglied und langjähriger Geschäftsführer des Museumsvereins, wird in einer kleinen Festrede Rückschau halten auf die Herausforderungen des Vierteljahrhunderts Engagement für die Geschichte der Stadt. Die hatten mit den Jubiläumsfeierlichkeiten aus Anlass 750 Jahre Forst bereits eine Art Krönung erfahren, wie Zuber als Projektleiter der Feierlichkeiten immer wieder würdigt. "Ich finde es so wunderbar, dass die Stadt sich Zeit genommen hat und sich viele Engagierte weiterhin Zeit nehmen, sich mit der Stadt und ihrer Geschichte zu beschäftigen. Das war gar nicht so einfach nach dem Krieg, denn zwischen 1945 und 1991 gab es kein Museum mehr in der Stadt", erinnert er.

Nur eine Art Heimatstube habe es gegeben. Die war in den letzten Jahren der DDR im Dachgeschoss des heutigen Gymnasiums untergebracht. "Da ist eine Generation aufgewachsen ohne Chancen, sich mit der Geschichte zu beschäftigen. Deswegen habe ich mich auf den Weg gemacht und 1990 gemeinsam mit Gleichgesinnten begonnen, aus der Heimatstube wieder ein Städtisches Museum zu machen", erzählt er der RUNDSCHAU.

Am 7. Februar konnte der Museumsverein der Stadt Forst gegründet werden. "Wir waren elf Gründungsmitglieder, der 1. Vorsitzende war Joachim Unger", erzählt Zuber, der lange Jahre als Geschäftsführer des Museumsvereins tätig war. "Wir haben viele Projekte geprüft und viele Leute als Gutachter mobilisiert, um die Notwendigkeit, die räumlichen Möglichkeiten in der Stadt und das Potenzial unsers Anliegens deutlich zu machen." Das sei nicht immer leicht gewesen. Während der damalige Bürgermeister Gerhard Reinfeld (CDU) sich stark engagiert habe für ein Städtisches Museum, habe beispielsweise der damalige Kämmerer gern intoniert, dass es in Forst kein Museum geben wird, solange er da ist. Dennoch konnte die Entwicklung 1995 gekrönt werden mit der Eröffnung des Brandenburgischen Textilmuseums im August, das viele Menschen zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten zusammenführt und zu einem Aushängeschild für Forst geworden ist.

Hier wird deshalb auch die Festveranstaltung stattfinden. Sie wird kulturell umrahmt von der beliebten Cottbuser Band "Träumer und Menschen" und einem Bühnenprogramm des Karnevalsvereins Forst-Sacro 1979.

Der Museumsverein ist seit 1996 Träger des Brandenburgischen Textilmuseums und hat derzeit 120 Mitglieder.

Lausitzer Rundschau, 11.02.2016

"Forst hat etwas ganz Besonderes"

Brandenburgs Museumsverband lobt überdurchschnittliche Besucherzahl im Textilmuseum

Im festlichen Rahmen werden am Sonntag die Hüter der Forster Geschichte gemeinsam mit prominenten Gästen das 25-jährige Bestehen des Museumsvereins der Stadt Forst feiern. Die RUNDSCHAU sprach darüber mit Dr. Susanne Köstering, Geschäftsführerin des Museumsverbandes des Landes Brandenburg:

Frau Köstering, der Museumsverein der Stadt Forst feiert am Sonntag im Textilmuseum sein 25-jähriges Bestehen. Ist das etwas Besonderes oder gibt es derlei Jubiläen wendebedingt derzeit häufiger?
Das ist eine gute Frage. Etwa drei Viertel der heutigen Museen sind nach 1989/90 gegründet worden, können bald ihren 25. Geburtstag feiern. Die Museumslandschaft hat sich nach der Wende deutlich verändert.

Was sind die markantesten Veränderungen?
Zu DDR-Zeiten gab es viel weniger Museen. Die waren personell ganz gut aufgestellt, wurden staatlich gefördert, aber auch kontrolliert. Es gab Zentral-, Bezirks- und Kreismuseen, vor allem Heimatmuseen, Gedenkstätten, Kunstmuseen, Schlösser. Unterhalb der kreislichen Ebene wurde nicht viel staatlich anerkannt. Es gab eine ganz klare hierarchische Struktur. Die Hoch-Zeit der Museumsgründungen in der DDR lag in den 1950er-Jahren. Nach der politischen Wende in Deutschland gab es eine neue Hoch-Zeit.

Wie sieht es heute aus?
Auf dem Gebiet des heutigen Landes Brandenburg gab es 1989 insgesamt 100 Museen. Heute sind es circa 370 Museen. Träger sind oft Vereine, Städte oder Landkreise. Die Bandbreite reicht von der kleinen Heimatstube über historische Mühlen, Gefängnisse oder Zuchthäuser, die zu Gedenkstätten umgewidmet wurden, bis zu Technik- und Industriemuseen wie in Guben, Forst, Glashütte/Baruth, Doberlug-Kirchhain, Velten, Brandenburg an der Havel oder Rüdersdorf. Vor der Wende gab es hier nur zwei Industriemuseen. Das waren das vor 63 Jahren gegründete Weißgerbermuseum in Doberlug-Kirchhain und das inzwischen gut 100 Jahre alte Ofen- und Keramikmuseum in Velten, dessen Sammlung aber zeitweise nach Berlin verlagert worden war.

Locken denn Industriemuseen noch Leute hinterm Ofen vor?
Auf jeden Fall. Industriemuseen sind total beliebt. Es sind die Museen, die immer viele Besucher anziehen. Auch im Brandenburgischen Textilmuseum Forst/Lausitz sind die Besucherzahlen hoch. Sie liegen mit 7000 bis 8000 Besuchern pro Jahr sogar deutlich über dem Landesdurchschnitt, der bei jährlich 5000 Besuchern liegt. Wir hoffen sehr, dass es das Textilmuseum schafft, den lang ersehnten Anbau zu bekommen. Die gesamte Geschichte der Textilindustrie, die Entwicklung der vergangenen 150 Jahre in der Stadt, in Natur und Umwelt, der Grenzlage, all das kann derzeit gar nicht angemessen ausgestellt werden.

Woran liegt das?
Es fehlt einfach am nötigen Platz. Es gab im Jahr 2006 Pläne, in Forst in der ehemaligen Pürschel-Tuchfabrik ein "Neiße-Zentrum für Wissen und Kultur" einzurichten. Dort waren auch 2000 Quadratmeter Museumsfläche vorgesehen. Das wäre super gewesen, aber zur Realisierung ist es nicht gekommen. Ich weiß, dass mehr Platz eine lange, lange wichtige Forderung des Museumsvereins als Träger des Textilmuseums ist und dass die Stadt Forst auch bereit ist, nach ihren Möglichkeiten den Verein dabei zu unterstützen. Museumsverein und Stadt Forst arbeiten wirklich sehr gut zusammen. Das ist es auch wert.

Worauf spielen Sie an?
Forst hat mit dem Brandenburgischen Textilmuseum etwas ganz Besonderes. Die Textilindustrie hat die Stadt extrem geprägt. Das ist etwas, was es so nicht noch einmal gibt. Was es noch gibt, sind andere Textilmuseen. Zum Beispiel in Crimmitschau in Sachsen oder im Ruhrgebiet, in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Aber selten waren Textilindustrie und Stadtentwicklung so eng verwoben wie in Forst. Das angemessen bewahren zu können, ist eine Herausforderung und zugleich ein seltener, großer Schatz.

Mit Susanne Köstering sprach Beate Möschl

Lausitzer Rundschau, 15.02.2016

Schwarze Jule wäre die Krönung

Auch nach einem Vierteljahrhundert gehen Museumsverein Forst
Ideen und Arbeit nicht aus

Für einen unterhaltsamen Museumssonntag haben die Hüter der Forster Historie gesorgt. Aus Anlass des 25. Jubiläums des Museumsvereins blickten sie mit prominenten Gästen ein Vierteljahrhundert zurück und eines voraus.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erinnerte an die Startschwierigkeiten für den Museumsverein, die Gründung des Textilmuseums und die Übertragung der Aufgabe, das Textilmuseum zu betreiben, an den Verein. "Das waren alles schwierige Diskussionen, weil auch das Umfeld in Forst schwierig war. Die Arbeitslosigkeit lag gefühlt bei fast 40 Prozent. Viele junge Menschen gingen weg", erinnerte Woidke und schilderte: "Ich bin 1993 aus Bayern zurückgekommen in meine Heimat. Die Perspektivlosigkeit war damals mit den Händen zu greifen." Der Museumsverein habe in dieser Zeit zwei Dinge geschafft: "Er hat sich mit der Geschichte beschäftigt und den Menschen gezeigt, dass sich die Stadt, die Blütezeiten, aber auch viele Rückschläge erlebt hat, durch die Kraft der Bürger immer wieder nach vorn entwickeln konnte." Dass Forst eine selbstbewusste Stadt geworden ist, das habe auch "viel mit dem Museumsverein der Stadt zu tun".

Der Sozialdezernent des Landkreises, Hermann Kostrewa, wurde beim Wort genommen, als er bekannte, dass der Landkreis Spree-Neiße sich bisher nur mit einem bescheidenen Beitrag an der Förderung des Museumsvereins und seiner wichtigen identitätsstiftenden Arbeit beteiligt. "Aber vielleicht wird das ja mal mehr", sagte er. Dr. Susanne Köstering, Geschäftsführerin des Museumsverbandes des Landes Brandenburg, zeigte sich "sehr erfreut" über diese Aussicht und bekräftigte: "Vereine sind das Herz der Museumslandschaft in Brandenburg." Der Museumsverein leiste eine hervorragende Arbeit. Köstering nannte Geschäftsführerin Angela Maaß und Stellvertreterin Michaela Zuber, "die Achse, um die sich das Rad hier dreht". Sie seien so etwas wie die "Schwarze Jule", die einst alle Betriebe in der Stadt verbunden hat.

Bürgermeister Philipp Wesemann (SPD) hatte zuvor zur "Schwarzen Jule" ein wichtiges Stichwort gegeben: Die Ideen und das Konzept zur Weiterentwicklung des Museums sollen Ende Februar in einer gemeinsamen Gesprächsrunde mit Martin Gorholt, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, diskutiert werden. Der Museumsverein bemüht sich seit Jahren darum, die aus Dresden zurückgekehrte "Schwarze Jule" ins Museum zu holen, erinnerte Hagen Pusch. Angestrebt wird der Ausbau des Museums, um Platz für die Lok der einstigen Stadteisenbahn zu schaffen und für eine stadthistorische Dauerausstellung.Mehr als 100 Gäste waren der Einladung ins Brandenburgische Textilmuseum Forst gefolgt. Sie wurden reich belohnt: Mit dem schönen Gefühl, für ihre Stadt und ihre Nachfahren etwas Wertvolles geleistet zu haben und stolz sein zu können, dabei gewesen zu sein und weiter aktiv mitarbeiten zu können. Dazu trugen humorvolle Rückblicke, das musikalische Programm von "Träumer und Menschen" aus Cottbus, charmante Charakterisierungen der Akteure von Andreas Wolff und viele Grußworte bei.

Beate Möschl

Forster Wochenblatt, 19.02.2016

Silber gefeiert, Gold verdient

Festveranstaltung 25 Jahre Forster Museumsverein: Große Erfolge gewürdigt und neue Ziele vorgestellt

Gemeinschaftlich für die Entwicklung der Stadt etwas geschaffen und für neue Ziele das richtige Rezept zu haben, so würdigte Ministerpräsident in seinen Begrüßungsworten die Arbeit des Museumsvereins der Stadt Forst (Lausitz) zu Beginn der Festveranstaltung am Sonntagvormittag im Textilmuseum.

Neben Dietmar Woidke konnte der Vereinsvorsitzende Hagen Pusch die Geschäftsführerin des Museumsverbandes des Landes Brandenburg, Dr. Susanne Köstering, auch den Bundestagsabgeordneten Ulrich Freese, Bürgermeister Philipp Wesemann, den Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung Dietmar Tischer und als Vertreter des Landrates den Kultur- und Sozialdezernenten  Hermann Kostrewa (SPD) sowie zahlreiche Vereinsmitglieder und Ehrengäste be-grüßen.

So stellte der Vereinsvorsitzende gleich zu Beginn seiner Festrede aus gutem Grund fest: »Dass Sie so zahlreich unserer Einladung gefolgt sind, zeigt in beeindruckender Weise, welchen Stellenwert unser Verein mit der Zeit regional und überregional einnimmt.

Ein Verein, der vor genau 25 Jahren und einer Woche von elf engagierten Forster Bürgerinnen und Bürgern gegründet wurde, heute 115 Mitglieder zählt und der mit der Auszeichnung »Verein des Jahres im Land Brandenburg« 2015 landesweite Anerkennung fand. Nun sind 25 Jahre sicher keine Ewigkeit, aber in weiten Teilen unseres Kulturkreises wird solch ein Zeitabschnitt mit silbernen Ehren in Verbindung gebracht. Silberhochzeit bei Ehepaaren, silberner Meisterbrief für Handwerker, silberne Ehrennadeln für eine entsprechend lange Mitgliedschaft in Vereinen oder Organisationen. Irgendwie immer Anlass, ein solches Jubiläum würdig zu begehen. Und so soll auch die heutige Festveranstaltung unter diesem Vorzeichen stehen.«

Passend dazu gab es als bleibendes Erinnerungsgeschenk die farbige DIN-A4-Reproduktion der historischen Stadtansicht von 1927 des Malers Karl Behr, natürlich mit dem entsprechenden Aufdruck in Silber!

Mit seinen nachfolgenden Worten sprach der Vereinsvorsitzende im Namen des Vorstandes den ganz besonderen Dank aus: »Im Zuge der heutigen Jubiläums-Veranstaltung möchten wir nicht nur stolz auf Erreichtes zurückblicken, sondern auch gleichzeitig allen aktiven Mitgliedern und Förderern unseres Vereins Dank sagen. Es ist sicher nicht selbstverständlich, dass in ehrenamtlicher Tätigkeit ein Verein so intensiv am geistig-kulturellen Leben einer Stadt Anteil nimmt bzw. Anteil hat. Wir sind uns unserer kommunalen Verantwortung in Bezug auf die in unserer Satzung festgeschriebenen Aufgaben des Sammelns, Bewahrens, Forschens und Vermittelns zu Themen der Forster Stadt- und Industriegeschichte mehr als bewusst, und mit der Betreibung des Brandenburgischen Textilmuseums mit seiner lebendigen Schauwerkstatt leistet der Verein ein aus der hiesigen Kultur- und Museumslandschaft nicht mehr wegzudenkendes Stück Arbeit. Stellvertretend für alle aktiv engagierten Vereinsmitglieder möchte ich an dieser Stelle Frau Angela Maaß und Frau Michaela Zuber nennen, die seit gefühlten ‘Jahrzehnten’ die Leitungsfäden für Verein und Museum fest in ihren Händen halten, auf die stets Verlass ist und die unermüdlich an der Lebendigkeit unserer Einrichtungen arbeiten!«

Bezugnehmend auf das 25-jährige Vereinsleben sagte Hagen Pusch in seiner Festrede weiter: »Immer mehr Forster Bürgerinnen und Bürger nehmen unsere Angebote, auch wenn sie nicht unbedingt Vereinsmitglieder sind, dankend an. Ob in verschiedenen Arbeitsgruppen, bei der Erarbeitung und Publizierung unserer Jahrbücher und Bildbände, ob bei Studienfahrten oder beim Geschichtsstammtisch, das Interesse ist stets sehr groß! Und das ist uns natürlich auch gleichzeitig Ansporn zu zeigen, dass museale Vereinsarbeit nicht zwangsläufig an- oder eingestaubt sein muss, sondern interessant und abwechslungsreich sein kann, ja, sein muss!

Auch die aktive Beteiligung und Mitarbeit an kommunalen Großereignissen, wie zum Beispiel dem Brandenburg-Tag 2006, 100 Jahre Ostdeutscher Rosengarten 2013, oder 750 Jahre Stadt Forst (Lausitz) im vergangenen Jahr, sind für uns selbstverständlich, aber auch immer wieder Herausforderung und Möglichkeit, das Betätigungsspektrum zu erweitern. Zu dieser Bereicherung gehört mit Bestimmtheit auch die Eingliederung des ehemaligen Forster Modelleisenbahnvereins in unseren Verein. Diese Fusion zeigt seit vielen Jahren, nicht zuletzt mit dem Aufbau einer Jugendgruppe »Modellbau«, viel Erfolg. Ebenso belegen das eindrucksvoll die zu einem Besuchermagneten gewordenen Modellbahnausstellungen im Rahmen der Weihnachtsausstellungen im Museum.«

Zu den zukünftigen Wünschen und Zielen, die der Verein anvisiert und umsetzen möchte, führte Hagen Pusch abschließend aus: »Zu den wichtigsten zählen die Integrierung einer ständigen stadt- und heimatgeschichtlichen Ausstellung, hier in den Räumen des mittlerweile auch schon 20-jährigen Textilmuseums und die öffentliche und würdevolle Präsentation der ehemaligen Forster Stadteisenbahn, unserer Schwarzen Jule hier auf dem Museumsgelände. Seit Rückführung der Lok vor fast vier Jahren aus dem Dresdener Verkehrsmuseum, kämpft der Verein, bisher immer noch vergeblich, um diese Möglichkeit. Leider konnte lange Zeit dazu mit der Stadtverwaltung kein zufriedenstellender Konsens gefunden werden. Neue Planungen lassen dazu etwas Hoffnung keimen. Wann es allerdings dann endgültig so weit sein wird, ist noch nicht abzusehen. Weiter müssen daher die Forster Einwohner und ihre Besucher auf ein stadthistorisch einmaliges Identifizierungsobjekt verzichten. Schade!

Doch es gibt für uns noch mehr Aufgaben und Projekte, die mit einer aktiven Vereinsarbeit, mit Ideen und Elan angegangen und umgesetzt werden müssen. Vor allem, was eine zukunftsorientierte Betreibung der Tuchmacher-Schauwerkstatt und überhaupt die weitere Entwicklung des Museums betrifft. Schließlich wollen wir zum 50-jährigen Vereinsjubiläum nicht mit leeren Händen dastehen und nur noch von Erinnerungen leben … Für Ihre hilfreiche und kreative Mitarbeit und Unterstützung, vorab herzlichen Dank!«

 

Aus den Grußworten der Ehrengäste:

Wichtiger Beitrag für Tourismus

Hermann Kostrewa, Landkreis Spree-Neiße: Vom Forster Museum, das mit anderen im Landkreis gut vernetzt ist, wird ein wichtiger Beitrag für den Tourismus geleistet. Das findet unsere Anerkennung und wir denken, dass wir in unserer Unterstützung noch etwas nachlegen können.

Pfeiler der Industriekultur

Dr. Susanne Köstering, Museumsverband Brandenburg: Im Land Brandenburg gibt es rund 400 Museen, um Wissen zu bündeln, zu bewahren und weiter zu erforschen. Dabei sind die Vereine das Herz der brandenburgischen Museumslandschaft. Gern habe ich vom Landkreis gehört, dass er das Forster Museum mehr als bisher unterstützen möchte. Meine Anerkennung gilt vor allem Frau Maaß und Frau Zuber, die im Vergleich mit der Schwarzen Jule, ebenso alles miteinander zusammenbringen. Das Forster Museum ist ein Pfeiler der Industriekultur und am erfolgreichsten in Brandenburg mit den größten Besucherzahlen. Den Standort ausbauen und die Schwarze Jule zeigen, wir werden sie vom Verband dabei weiter unterstützen!

Bereicherung der Stadt

Bürgermeister Philipp Wesemann: Kaum ein anderer Verein zeigt solche Verantwortung für die Traditionspflege, wobei auch der von Frank Henschel organisierte Geschichtsstammtisch eine große Rolle spielt. Die Jahrbücher und Sonderausstellungen sind eine Bereicherung für unsere Stadt und das Betreiben des Textilmuseums seit 20 Jahren ganz besonders beachtlich.

 

Das Gedächtnis unserer Stadt - Aus dem Rückblick von Gründungsmitglied Sven Zuber

Mit einer ungewöhnlichen Einleitung eröffnete Gründungsmitglied Sven Zuber seinen Vortrag über ein Vierteljahrhundert Engagement für die Geschichte der Stadt: »Bitte stehen Sie alle auf, drehen sich um und blicken einmal zurück!« – Mit diesen Worten hatte er nicht nur den Ministerpräsident zur Heiterkeit veranlasst, sondern sogleich in den Sitzreihen für eine willkommene Auflockerung gesorgt.

Den Beginn seines nachfolgenden und ausführlichen Rückblicks hatte Zuber 118 Jahre zurückverlegt und auf die Gründung des Vereins für die Geschichte der Stadt Forst am 23. September 1898 in Mohrs Hotel verwiesen. Mitbegründer und Vorsitzende waren in den Jahren der wirtschaftlichen Blüte, des Aufschwungs und des damaligen Wohlstands der Pfarrer und Superintendent Hermann Böttcher sowie der Apotheker und Stadtrat Alwin Roch. 28 Gründungsmitglieder hielten in ihren Mitgliederversammlungen Vorträge, sammelten historische Dokumente und schrieben Abhandlungen über die Wandlung zur Fabrikstadt.

Am 11. Juni 1899 erfolgte die Eröffnungsfeier für die erste Ausstellung im alten Schloss in der Kirchstraße, die 1930 in das Alte Amt umzog. 1938 zählte der Verein unter dem damaligen Vorsitzenden und  Mittelschulrektor Standke 120 Mitglieder.

Nach der Kriegszerstörung des Museums 1945 und vorherige Teilauslagerung wurde Max Balde als Heimatforscher, Denkmalpfleger, Naturschutzbeauftragter und Storchenzähler bis zu seinem Tod 1987 zum Bewahrer der Museumssammlung im Dachgeschoss des heutigen Gymnasiums, über dem ehemaligen Internat der TGA.

Mitte der 1990er-Jahre kam vom damaligen Bürgermeister Dr. Gerhard Reinfeld die Idee zur Vereinsgründung sowie auch der Vorschlag, wieder ein Museum einzurichten. Am Abend des    7. Februar trafen sich in der Städtischen Museumssammlung die Gründungsmitglieder der Tuchmachermeister und Textilingenieur Joachim Unger und Frau Eleonore, Gartenbaudirektor Werner Gottschalk und Frau Elisabeth, Kfz-Meister Herbert Igel und Frau Anita, Leo Koch, Rainer Kliche, Dr. Joachim Bischoff, Michaela Zuber und Sven Zuber. Die Vorsitzenden waren von 1991 bis 1996 Joachim Unger, von 1996 bis 2004 Beate Schneider, von 2004 bis 2006 Dr. Hans Dobbert und seit 2006 steht Hagen Pusch an der Spitze des Museumsvereins.

In seinem zum Teil auch amüsanten Rückblick erinnerte Zuber auch an den Barkas von Franz Worrich, der als unentbehrliches Transportfahrzeug die gesammelten Ausstellungsstücke heranschaffte, oder an die plötzlich verschwundene Hammerwalke, die eines Tages in Bramsche auftauchte und dort noch heute steht.

Auf der langen Suche nach einem für das Museum geeigneten Gebäude zuerst in der Leipziger Straße und Am Haag war es vor allem Hans Kruppa, der für die Stadt Forst (Lausitz) nach aufwendigen Verhandlungen mit der Treuhandliegeschaftenanstalt und den Alteigentümern sich für das Textilmuseum hier in diesem Haus stark gemacht hat.

Nach einem ersten Vorschlag noch der Name Preußisches Textilmuseum Forst Lausitz mit stadtgeschichtlicher Abteilung, wurde 1995 das Brandenburgische Textilmuseum Forst (Lausitz) eröffnet und am 1. Juli 1996 im Auftrag der Stadt in Trägerschaft des Museumsverein übergeben.

Wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Vereins sind u.a. die Eröffnung der Techniktour Forst–Grießen– Guben–Peitz, die Mitgliederentwicklung mit einer Höchstzahl im Jahre 1996 von 140 mit heutigem Stand von 115, die Bestandserweiterung, zahlreiche Studienfahrten und die aktuellen Geschichtsstammtische immer an wechselnden Treffpunkten.

Heute ist der Museumsverein auf Touristikmessen vertreten, kann auf über    20 eigene Publikationen, zwei Videoproduktionen sowie seit 2005 auf seine Herausgabe eines Jahrbuches in Folge verweisen, das 2015/2016 erstmalig als Doppelausgabe erschien.

Und was schenkt man einem so engagierten Verein zu seinem 25-jährigen Bestehen, so die abschließende Frage von Sven Zuber, deren Antwort er gleich nachschickte: Den Tuchmacher des gleichnamigen Brunnens! 1922/23 anlässlich des Neubaus der Langen Brücke auf dem Rathenauplatz entstanden, sind auf der polnischen Seite nur noch Rudimente zu finden und befindet sich die Plastik des Webers dort auch in Privatbesitz. Ein Brunnennachbau zu dessen 100. Jubiläum wäre ein weiterer Meilenstein in der Geschichte und Wahrung der Tradition unserer Stadt. 

Redaktion