Sorauer Geschichte
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Newsarchiv 2008

Lausitzer Rundschau vom 17.01.2008

Die Geschichte einer Seifen-Unternehmer-Familie der Region bleibt im Museum erhalten

Von Sorau in die Sorauer Straße in Forst

Ein besonderes Präsent hat Markus Seitz aus Hoya bei Bremen dem Brandenburgischen Textilmuseum in Forst beschert. Eine einzigartige Familien- und Firmengeschichte aus der einstigen Kreisstadt Sorau tat sich kürzlich den Mitarbeitern beim Öffnen eines Paketes auf. Dutzende Fotos, Geschäftsunterlagen und persönliche Dokumente werden derzeit in Forst gesichtet.

Foto: Angela Hanschke

Gegenwärtig archiviert Frank Owczarek aus Forst jedes einzelne Teil aus der Familiensammlung, beschreibt die Stücke und scannt sie im Computer ein. Nur mit weißen Baumwollhandschuhen versehen, fasst der 23-Jährige, der stundenweise im Textilmuseum beschäftigt ist, die alten Urkunden und Dokumente an.

Angefangen habe alles mit der Er steigerung eines antiken Schrankes, berichtete Markus Seitz. Der Inhalt entpuppte sich zur Überraschung seines neuen Besitzers als wahre Fundgrube zur Erforschung des ehemaligen Kreises Sorau. Bei einer Nachfrage im Auktionshaus hieß es nur lapidar: „Vernichten sie das Zeug doch.“ Im Internet stieß der geschichtsinteressierte 38-Jährige, dessen Spezialgebiet jedoch das Mittelalter ist, auf das Brandenburgische Textilmuseum, kündigte dort telefonisch eine Zusendung des Materials an.

Dokumente des Familienlebens

Erwartungsvoll öffnete nur wenige Tage später Museumsmitarbeiterin Angela Maaß den Karton. „Einfach faszinierend“ fand sie die erste Sichtung der Papiere über die einstige „Seifenfabrik Richard Klein“ und die Familie des Besitzers. „Ein fast vollständig dokumentiertes Familienleben liegt hier vor uns ausgebreitet auf dem Tisch“, erklärte die ehrenamtliche Geschäftsführerin des Forster Museumsvereins, die den Fund einen „einzigartigen Glücksfall für die Aufarbeitung der Regionalgeschichte“ nannte.

Gegenwärtig archiviert Frank Owczarek aus Forst jedes einzelne Teil, beschreibt die Stücke und scannt sie im Computer ein. Nur mit weißen Baumwollhandschuhen fasst der 23-Jährige, der stundenweise im Textilmuseum beschäftigt ist, die alten Urkunden und Dokumente an. „Damit der Säuremantel der Haut die alten Papiere nicht angreift“, erklärt Frank Owczarek – der wahrscheinlich letzte in Forst ausgebildete Textilmaschinenführer – diese Vorsichtsmaßnahme.

Fast andächtig zeigt er die einzelnen Stücke: Geburts-, Konfirmations- und Heiratsurkunden sowie Zeugnisse des Firmenbesitzers Richard Klein, der im Jahr 1868 in Hoyerswerda geboren wurde und 1946 im oberfränkischen Kranach verstarb, sowie seines Sohnes Johannes (Hans) Klein und dessen Ehefrau Ilse (geborene Hermann) vor.

Auch Persönliches dabei

Doch auch sehr persönliche Stücke wie Kalender, Notizbücher, Hochzeitsfotos und das Verlobungsbüchlein der jungen Frau, deren Vater einst Direktor der Sparkasse Sorau war, werden nun in Forst aufbewahrt. Passierscheine aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, Kennkarten aus dem Jahr 1942, Berechtigungsscheine für zahlreiche Dienstreisen, aber auch Testamente aus dem 1940er-Jahren, Scheckbücher sowie eine Bankbenachrichtigung aus dem Jahr 1946 vermitteln Zeitkolorit.

Akribisch hat Ilse Klein den Nachlass ihrer Familie aufbewahrt. «Selbst die Armbinde der einstigen Rotkreuzschwester, die während des Krieges in der Sorauer Außenstelle der Focke-Wulf Flugzeugbau GmbH Bremen ihren Dienst leistete, blieb so erhalten» , staunte Angela Maaß. Vater und Sohn hingegen seien höchstwahrscheinlich u.k. gestellt worden – waren also für die Rüstungswirtschaft während des Zweiten Weltkrieges unabkömmlich.

Die letzten aufgefundenen Unterlagen sind Bankbelege aus den 1970er-Jahren. „Fast wie aus einem Dornröschenschlaf erweckt“ sagt Angela Maaß. Der einzigartige Erhaltungszustand der Papiere fasziniert dagegen besonders Frank Owczarek, dem bei der Aufarbeitung seine fundierten heimatgeschichtlichen Kenntnisse zugute kommen. Neben einem Schließfachschlüssel der Volksbank Sorau fand sich auch ein etwas altertümlicher Haustürschlüssel. „Sicher noch aus der Sorauer Wohnung in der damaligen Auenstraße 14“, vermutet er.

Nach dem Kriegsende habe die Familie Klein eine beispiellose Odyssee durch den westlichen Teil Deutschlands hinter sich gebracht, hat Angela Maaß recherchiert. Während des Krieges habe die Familie mehrere Säcke mit Gütern nach Gösnitz ausgelagert. Vielleicht erkläre dies den guten Erhaltungszustand der Archivalien, vermutet sie laut und hofft darauf, dass die Stücke einmal in einer Forster Ausstellung präsentiert werden.

von Angela Hanschke