Stadtbahn im Modell
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Newsarchiv 2007

Lausitzer Rundschau vom 27.11.2007

Weihnachtsausstellung im Textilmuseum Forst mit Premiere

Stadtbahn im Modell

Erstmals wird ab dem ersten Advent ein Modell des Forster Stadtbahnhofes im Rahmen der Weihnachtsvorstellung im Brandenburgischen Textilmuseum zu sehen sein. Das Modell der einzigartigen Schmalspur-Stadtbahn wurde in langjähriger Arbeit von Mitgliedern des zurzeit in Liquidation befindlichen Modellbahnervereins geschaffen, von dem einige Mitglieder samt Anlagen dem Museumsverein beigetreten sind.

Foto: Angela Hanschke

Letzte Arbeiten am Stadtbahnhof Forst: Volker Böhme (rechts) und Heinz-Peter Bischoff.

Auf Hochtouren laufen gegenwärtig im Brandenburgischen Textilmuseum die Vorbereitungen für die Weihnachtsausstellung. Glanzlichter werden dann die drei Modellbahnanlagen sein, an denen einst die Forster Modellbahnfreunde arbeiteten. Seit dem 30. Juni befindet sich der Verein in Liquidation (die RUNDSCHAU berichtete). Die Anlagen sind an den Museumsverein der Stadt Forst übergegangen, dem vier der Eisenbahnenthusiasten beigetreten sind.

Zwei von den neuen Mitgliedern sind Volker Böhme und der letzte Vorsitzende und Liquidator des Modelleisenbahnvereins, Heinz-Peter Bischoff, die vom Samstagmittag bis in die späten Abendstunden an den Details der Anlagen feilten. Bereits in der vergangenen Woche begannen Matthias Remane und weitere Eisenbahnfreunde mit dem Grundaufbau der rund 16 Quadratmeter großen ehemaligen Vereinsanlage. „Insgesamt haben die einst bis zu 21 Mitglieder fast 5000 Arbeitsstunden darin investiert“, erklärte Heinz-Peter Bischoff. Eine reale Landschaft werde jedoch nicht dargestellt. Vielmehr handele es sich um eine Phantasieanlage, die alle nur denkbaren technischen Finessen zeige. Bereits zwei „Umzüge“ hat die Anlage hinter sich.

Besonders stolz sind die Erbauer jedoch auf den zwölf Quadratmeter großen maßstabsgetreuen Nachbau des Bahnhofes der Forster Stadteisenbahn. Bislang wurde diese Mini-Stadtbahn noch nie öffentlich gezeigt. Dargestellt werde der Zustand, wie er sich in den Jahren um 1930 zeigte, informierte Volker Böhme. Akribisch und detailverliebt haben die Modellbauer das Zeitkolorit eingefangen, die Technik und Autos jener Zeit nachgebaut. Das Schienennetz sei inzwischen fast vollständig vom Gelände verschwunden, die Gebäude jedoch im Wesentlichen heute noch vorhanden, hat Heinz-Peter Bischoff recherchiert. Besonders reizvoll sei zu zeigen, welch gewaltiger Industriekomplex dies gewesen ist. „Es war ein in ganz Deutschland einmaliges Stück Verkehrsgeschichte“, sind die beiden Eisenbahnfreunde sicher.

Schwarze Jule ein «ungeliebtes Kind»

Die «Schwarze Jule» , wie die Lok der Stadteisenbahn genannt wurde, sei aber zur Zeit ihres Betriebes zwischen 1893 und 1965 „ein ungeliebtes Kind“ gewesen, denn das technische Kleinod war nach Aussage von Heinz-Peter Bischoff ein „Schmutzfink“. Sie habe enorme Mengen Ruß ausgestoßen – sehr zum Ärger von Forster Einwohnerinnen, deren Wäsche nach dem Trocknen nicht mehr blütenweiß war.

Gezeigt wird am 1. Dezember auch eine industriell gefertigte Anlage. Für die jüngsten Besucher gibt es ein besonders robustes Schienennetz mit einer phantasievollen Duplo-Landschaft, die am Abend auch Carolin Bischoff mit gestaltete, die dem Vater zur Hilfe kam. Der platzierte unterdessen besondere Raritäten wie Loks, Waggons und Gebäude in die Vitrinen. Die Freude der Betrachter am 1. Dezember sei der schönste Lohn für die Sisyphusarbeit, erklärte Volker Böhme. „Vielleicht gibt es ja irgendwann einmal eine Sparte Verkehrsgeschichte im Forster Museumsverein?“, hofft Heinz-Peter Bischoff.

Rund 100 Arbeitsstunden leisten die Modellbauer, um die Anlagen zur Weihnachtsausstellung in voller Schönheit zeigen zu können. Ein gutes Auge und eine sichere Hand brauchten am Wochenende Volker Böhme und Heinz-Peter Bischoff, um die oft winzigen Details zu platzieren.

Terminhinweis Weihnachtsausstellung

Die traditionelle Weihnachtsausstellung im Brandenburgischen Textilmuseum wird am Samstag, dem 1. Dezember, um 15 Uhr feierlich eröffnet. Die Ausstellung läuft bis zum 13. Januar. Sie ist geöffnet: dienstags, mittwochs, donnerstags von 10 bis 17 Uhr und freitags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr. Am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag ist das Museums von 14 bis 17 Uhr geöffnet, bleibt aber Heiligabend, Silvester und Neujahr sowie montags geschlossen. Am 8. Dezember findet von 14 bis 17 Uhr erstmalig eine Sammlerbörse rund um Modellbahnen statt. Anbieter werden gebeten, sich vorher anzumelden unter Telefon 03562 97356. Der Tisch soll nach Angaben des Museumsvereins fünf Euro kosten.

von Angela Hanschke