Soraur Heimatarchiv
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Newsarchiv 2005

Lausitzer Rundschau vom 10.05.2005

Ausstellung wird am 12. Mai feierlich eröffnet und ist bis zum 18. September zu sehen

Teile des Sorauer Heimatarchivs im Textilmuseum

Forst.  Am 12. Mai werden um 19.30 Uhr erstmals Teile des Sorauer Heimatarchivs der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Bis zum 18. September besteht dann für die Besucher des Forster Textilmuseums die Möglichkeit, sich einen Überblick über die umfangreiche, in fünf Jahrzehnten akribisch zusammengetragene Sammlung von Günther Krause zu verschaffen, die im vergangenen November als Schenkung an die Stadt Forst übergeben wurde.

Foto: Angela Hanschke

Michaela Zuber und Stefan Buss beim Anbringen einer 1953 gemalten historischen Ansicht Soraus mit der Silhouette der drei stadtbildprägenden Türme im Zentrum.

Der in Sorau geborene und aufgewachsene Günther Krause arbeitet seit Ende der 40er-Jahre im „Arbeitskreis heimattreuer Sorauer“, den er maßgeblich mit aus der Taufe hob und gab ab 1952 das „Sorauer Heimatblatt“ heraus. Viele Stücke – oft die einzige Habseligkeit, welche die flüchtenden Einwohner Soraus, dem heutigen Zary, aus ihrem Besitz retten konnten – gelangten durch die Leser des Heimatblattes in die Sammlung. Es sei an der Zeit gewesen, endlich eine Auswahl der Sammlung zu zeigen. Eine detaillierte Aufarbeitung und Erfassung werde demnächst erfolgen, erklärte die Leiterin des Forster Textilmuseums Michaela Zuber.

Es habe bereits eine große Zahl von ungeduldigen Nachfragen geschichtlich Interessierter gegeben. In den Ausstellungsräumen herrscht so kurz vor der Eröffnung kein emsiges, sondern ein behutsames Treiben. Mit weißen Handschuhen versehen, arbeitet Museumstechniker Stefan Buss daran, die 136 ausgewählten Porzellanstücke in die Vitrinen zu plazieren. Aber auch die Archivalien – darunter Chroniken einzelner Ortschaften, Urkunden und Kupferstiche – verlangen größtes Fingerspitzengefühl.

Fast alle Stücke, die in der Ausstellung präsentiert werden, stammen aus dem östlichen Teil des ehemaligen Kreises Sorau, war von Michaela Zuber zu erfahren. Die unbestreitbar ältesten Exponate – frühgeschichtliche Funde aus der Bronzezeit – wurden von Rudolf Grenz aus dem benachbarten Mulknitz an Günther Krause übergeben. Sie könnten also durchaus von einer Fundstelle aus dem westlich der Neiße gelegenen Teil des Sorauer Kreises stammen, so die Leiterin des Museums. Die Auswahl sei ihr durchaus nicht immer leicht gefallen, verrät sie. Jedoch solle aus allen Sammelsparten einiges gezeigt werden. Neben Porzellan aus der Sorauer „Porzellanmanufaktur Carstens“ werden das auch Textilien aus den ehemaligen Hochburgen der Leinenindustrie Sorau und Linderode sein.

Ein spezielles Lieblingsstück aus der künftigen Ausstellung zu nennen, falle ihr schwer. Stefan Buss benennt jedoch gleich seinen Favoriten. „Das ist eine im Maßstab 1:50 angefertigte, absolut detailgetreue Nachbildung eines 1799 erbauten und 1941 abgetragenen Blockhauses aus dem Ort Witzen, dem heutigen Wicina in der Gemeinde Jasien (Gassen).

Darin und in der dazugehörigen Dokumentation stecke unheimlich viel Arbeit, meint er anerkennend und deutet auf die winzigen Gerätschaften zum Feuerlöschen an der Rückwand des Modells. „Die neue Ausstellung ’Streiflichter durch die Geschichte des Kreises Sorau’ reflektiert nicht nur geschichtliche Vergangenheit, sondern schlägt auch einen Bogen zum Zary von heute“, so Michaela Zuber. Ebenfalls werde der weitere Weg und die späteren Lebensumstände der ehemaligen Sorauer gezeigt.

Regelmäßige Kontakte gebe es zwischen dem Forster Museumsverein und der Bibliothek mit der Stadtverwaltung von Zary, die in der Vergangenheit ebenfalls großes Interesse an einer dauerhaften Übernahme der Sorauer Sammlung zeigte. Sicher werden auch polnische Gäste der Eröffnung am 12. Mai beiwohnen. Die kulturelle Umrahmung erfogt durch Schüler der Musikschule Zagan. Besonders stolz ist der Museumsverein auf die Ankündigung, der 78-jährige Günther Krause werde aus Dortmund in Begleitung von Ehefrau und Tochter zur Eröffnung anreisen und einleitende Worte sprechen.

Hintergrund Der ehemalige Kreis Sorau

Der ehemalige Kreis Sorau, dessen Name soviel wie „Morgenröte“ bedeutet, entstand 1816 und umfasste die sechs Städte Christianstadt, Gassen, Pförten, Sorau, Triebel und Forst sowie 145 östlich und westlich der Neiße gelegene Ortschaften. Forst schied 1897 aus dem Verbund aus und blieb bis 1945 kreisfrei.

Von Angela Hanschke