Sorauer Sammlung
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Newsarchiv 2005

Lausitzer Rundschau vom 14.05.2005

Günther Krause bei der Eröffnung der Sonderausstellung mit Teilen der Sorauer Sammlung

Überrascht von der Würdigung

Forst.  Es war ein feierlicher Augenblick für Günther Krause aus Dortmund: Am Donnerstagabend wurde im Brandenburgischen Textilmuseum Forst eine Sonderausstellung mit Teilen der von ihm jahrzehntelang zusammengetragenen Sorauer Sammlung eröffnet. Mit ihm freuten sich viele weitere ehemalige Sorauer, die eigens nach Forst gekommen waren.

Foto: Gerd Kundisch

Heimat gestern und heute: Der ehemalige, jetzt in Dortmund lebende, Sorauer Günther Krause (2.v.l.) im Gespräch mit dem Zaryer Heimatforscher Franciszek Luckiewicz (2.v.l).

Eine Bibliothek mit mehr als 700 Bänden, Zeitungen, Zeitschriften, Karten, Grafiken, Material zu Ortschroniken, Postkarten, Musikalien, Textilien und Haushaltsgegenständen wurden im November an die Stadt Forst übergeben. Günther Krause fand seine Sammlung in Forst sehr gut aufgehoben. Er lobte den sachgerechten Umgang damit, so sei sie nicht einmal bei ihm zu Hause gewährleistet gewesen. «Eine lange Odyssee hat ein Ende» , freute er sich in seiner kurzen Ansprache vor weit mehr als 100 Besuchern der Ausstellungseröffnung. Teile des Heimatarchives seien bei Heimattreffen in Hamm sowie im dortigen Gustav-Lübcke-Museum gezeigt worden. Sowohl in Deutschland als auch in Polen habe es Interesse gegeben, das Archiv zu übernehmen, sagte Krause. Seit 1992 gibt es Kontakte des Museumsvereins Forst zum Sorauer Heimatkreis. Der Verein hat die Übernahme der Sammlung im vergangenen Jahr finanziell unterstützt. 1994 hatte der Forster Bürgermeister Gerhard Reinfeld das Angebot gemacht, die Sammlung in Forst aufzunehmen.

Diese erfuhr am Tage der Eröffnung der Ausstellung eine Bereicherung: Eberhardt Müller aus Wehr und sein Bruder Hartmut Müller aus Bramsche hatten aus dem Nachlass ihrer Eltern einer Forster Wochenzeitung unter anderem eine Karte des Sorauer Land aus dem Jahr 1768 überlassen. Geschäftsführer Ulrich Kohlstock überreichte die Karte Museumsleiterin Michaela Zuber.

«Streiflichter durch die Geschichte des Sorauer Landes» heißt die Ausstellung, die überwiegend historische Fotos zeigt. Es ist ein Ausschnitt aus der Sorauer Sammlung, der bis Mitte September in Forst zu sehen ist. Wie Sven Zuber, Leiter des Hauptamtes in der Stadtverwaltung und zugleich Mitglied des Museumsvereins, versprach, soll später einmal eine Dauerausstellung gestaltet werden. Der Zugang der Öffentlichkeit zur Sammlung war Bedingung für die Übergabe der Dokumente nach Forst. Zuber lud weitere Betreuer von Heimatarchiven ein, das oft über Jahrzehnte zusammengetragenes Material der Kompetenz der Stadt Forst anzuvertrauen. «Günther Krause hat uns die Geschichte bewahrt» , wertete Zuber den Beitrag des langjährigen Herausgebers einer Sorauer Heimatzeitung. Besucher könnten eindrucksvolle Zeugnisse einer gemeinsamen vergangenen Zeit sehen. Es gehe um ehrlichen rückhaltlosen Umgang mit der Geschichte. Das Thema der Vertreibung müsse im Kontext des Zweiten Weltkrieges gesehen werden. Die Übergabe der Sammlung sei für Forst eine große Ehre und lege der Stadt zugleich hohe Verantwortung auf.

Zuber schlug den Bogen zu den Feierlichkeiten anlässlich des Endes des Zweiten Weltkrieges und zum soeben eröffneten deutsch-polnischen Jahr. Zary und Forst haben nicht nur in der Vergangenheit als Textilzentren viele Gemeinsamkeiten, betonte Zuber. Zary seit heute eine Stadt mit beispielloser Dynamik. Deutsche und Polen seien sich in der langen Geschichte ihrer Nachbarschaft noch nie so nah gewesen wie heute.

Schönes Symbol der neuen Partnerschaft: Ein Streicherquartett der Musikschule Zagan sorgte für die kulturelle Umrahmung der Veranstaltung im Textilmuseum. Sven Zuber lud die Besucher anschließend ein, die polnischen Musiker noch einmal zu erleben. Am 2. Oktober, wenn in Forst das 15-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Forst und Wermelskirchen gefeiert wird, sind die Zaganer Musiker, dann in voller Besetzung mit 60 Akteuren, beim Festkonzert in der evangelischen Stadtkirche St. Nikola in Forst zu erleben.

Hintergrund Sorauer Treffen

Die Sorauer Heimatfreunde kommen am Sonnabend, dem 17. September, ab 10 Uhr, in der Gaststätte «Zur Eisenbahn» in Kolkwitz zu ihrem nächsten Treffen zusammen. Für den 18. September ist eine Busfahrt nach Sorau mit Besuch eines Gottesdienstes in der Kirche im früheren Seifersdorf geplant. Wie Günter Sigmund vom Vorbereitungskomitee des Sorauer Heimattreffens sagte, werde außerdem ein Besuch der Sonderausstellung «Streiflichter» im Brandenburgischen Textilmuseum angeboten.

Die Ausstellung ist bis zum 18. September zu sehen.