Wie ein Hut entsteht
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Newsarchiv 2004

Lausitzer Rundschau von 14.07.2004

Sonderausstellung zur Geschichte der Textilindustrie der Niederlausitz

Textilmuseum will zeigen, wie ein Hut entsteht

Forst.  «Die Geschichte der Textilindustrie der Niederlausitz» ist Thema der nächsten Sonderausstellung, die derzeit im Brandenburgischen Textilmuseum Forst vorbereitet wird. Ab Anfang September werden Maschinen, Produkte und Dokumente gezeigt, die mit der Textilindustrie der weiteren Region verbunden sind.

Größeren Raum sollen die Geschichte der Tuchfabrik Koswig, später VEB Feintuch Finsterwalde, und die Gubener Hutwerke einnehmen. «Indem wir uns der Textilproduktion außerhalb von Forst zuwenden, wollen wir unserem Namen Brandenburgisches Textilmuseum gerecht werden» , erklärt Museumsleiterin Michaela Zuber. Sie hoffe, dass sie die einzelnen Fertigungsstufen bei der Hutherstellung zeigen kann. Um die Ausstellung vorzubereiten, arbeiten die Forster mit dem Museum Finsterwalde und mit der in Guben tätigen Arbeitsförderungsgesellschaft Acol zusammen.

Aber auch über die Forster Firmen soll die Ausstellung Neues vermitteln. «Wir haben Kontakt zu den Nachfahren der Fabrikanten Brink und Mrose und möchten Objekte aus deren Nachlass zeigen» , sagt die Museumsleiterin.

Museumstechniker Stefan Buss wälzt, entstaubt und entmottet seit Wochen Musterbücher aus dem Museumsfundus. Darunter vier imposante Bände mit Stoffmustern des Textilfabrikanten Carl Gloeckner. 16 Zentimeter dick ist allein das Buch, das die von 1905 bis 1908 angebotenen Tuche enthält. Andere Objekte liegen noch zur Begutachtung bereit, so eine Schenkung der Berlinerin Gisela Wenzel, darunter ein Musterbuch der Firma C. H. Pürschel für die Jahre 1923 bis 1930 und gesammelte Soffmuster der Gebrüder Brink von 1924 bis 1929.

Stefan Buss ist von Kindesbeinen an mit der Textilindustrie vertraut. «Mein Vater war Textilingenieur in den Forster Tuchfabriken und später Technischer Direktor im Textilkombinat Cottbus» , erklärt der Museumsmitarbeiter. Er selbst war als Elektromonteur bis 1991 in den Forster Tuchfabriken beschäftigt, «um die Maschinen in Schwung zu halten» .

Keine leichte Aufgabe, denn entweder waren museumsreife Anlagen zu warten oder einige wenige teure Westimporte, für die wegen Devisenmangels keine Originalersatzteile zur Verfügung standen.

«Die Forster Tuchfabriken waren Leitbetrieb für die Volltuchindustrie der DDR» , sagt Stefan Buss. Gleichzeitig sei aber sehr wenig modernisiert worden. Eine Ausnahme bildeten die modern ausgestattete Wirkerei und Färberei in der Mauerstraße. «Das war ein ständiges Rumbasteln» , erinnert sich Stefan Buss. Denn selbst gebaute Ersatzteile hätten nur eine geringe Lebensdauer erreicht. In einem seltsamen Kontrast dazu stand der Selfaktor, ein Wagenspinner, Baujahr 1905, mit dem noch bis 1985 produziert wurde.

Während der Ausstellung soll es zwei Tage voller Aktionen rund um die «große» Wäsche geben. Am 5. und 6. September ist «Waschtag» im Museum. «Wir zeigen, wie im Haushalt gewaschen wurde» , erklärt Michaela Zuber. «Mit Waschbrett, Wringe, und kohlebeheizter Waschmaschine» . Auch jene Erinnerungen an die Forster Textilfabriken, die mit der Ausstellung «Fadenbruch» zusammengestellt worden waren, werden in der neuen Sonderausstellung nochmals gezeigt.

Mit fast 7000 habe das Museum im vergangenen Jahr seine bisher höchste Besucherzahl registriert. Auf besonderes Interesse sei die Ausstellung «Heinrich Graf von Brühl und die Herrschaft Forst – Pförten» gestoßen.

Service: Sonderausstellung

Von Ulrike Elsner