Forst als Industriestadt
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Newsarchiv 2004

Lausitzer Rundschau von 06.09.2004

Neue Sonderausstellung im Textilmuseum

Forst als Industriestadt

Forst.  „Niederlausitzer Textilstandorte gestern und vorgestern“ heißt die neue Sonderausstellung im Brandenburgischen Textilmuseum Forst. Sie wurde am Freitagabend eröffnet und gibt einen Einblick in die Geschichte der Textilindustrie in Forst, Guben und Finsterwalde.

Foto: Jana Pozar

Spannende Exponate sind in der neuen Sonderausstellung zur Industriegeschichte im Brandenburgischen Textilmuseum zu sehen.

„Diese Ausstellung ist in ihrer Art die erste im Textilmuseum. Forst in der Niederlausitz war einst eine Tuchmacherhochburg, aufgrund der hohen Bedeutung des Industriezweiges war diese Ausstellung längst überfällig“, sagte Michaela Zuber, Leiterin des Brandenburgischen Textilmuseums. „Es ist jedoch nur ein minimaler Teil der Textilgeschichte in der Ausstellung zu sehen“, bedauerte sie. Es werde mit Sicherheit eine Ausstellung mit „Folgen“. Michaela Zuber freute sich, dass an die 100 Besucher den Weg ins Textilmuseum fanden. „Das zeigt uns, dass wir mit unserer Wahl genau richtig lagen.“

Bürgermeister Gerhard Reinfeld erinnerte an die Zeit, in der die Tuchindustrie in Forst ein gezielte, dynamische Unterstützung durch den preußischen Staat erhielt. „Die Produkte und die Firmen erlangten in der Geschichte Weltruhm“, so Reinfeld. Namen wie Koswig, Wilke, Cattien, Schmidt, Brehmer oder Noack waren eng verbunden mit der Tuchmachertradition. „Die Ausstellung soll diese Namen wieder in Erinnerung bringen, denn sie sind ein Teil der Unternehmensgeschichte“, so Reinfeld. Dem Bürgermeister stellte sich die Frage: „Haben wir zu viel Geschichte und zu wenig Zukunft?“ Er erklärte, dass momentan wieder ein „Run“ auf die brandenburgischen Tuchfabriken stattfindet. „Sogar namhafte Unternehmen aus ganz Deutschland bekunden Interesse an den Fabriken von einst“, sagte er. „Das Morgen ist also ohne das Gestern und Vorgestern gar nicht möglich."

Neben Produkten aus den Finsterwalder Tuchfabriken, den Gubener Hutwerken sowie den heimischen Forster Tuchwerken sind auch die mit den Fabriken verbundenen Einzelschicksale von Menschen und der Arbeitsalltags dokumentiert. Ingeborg Fabian aus Forst griff sich gleich mehrere Hüte aus der Gubener Produktion. „Ich bin ein totaler Hutfan, habe mir sogar schon selbst einige gehäkelt und gestrickt. Zu jeder Gelegenheit trage ich Hut. Klar, dass mich die Geschichte der Gubener Hutwerke besonders interessiert“, sagte sie. Die Gubener haben natürlich auch einen Videofilm über die Hutherstellung parat, der bereits am Eröffnungsabend viele Neugierige anzog. Christel Mehlhorn von der Aclo Gesellschaft für Arbeitsförderung in Guben freute sich, dass es in Forst die Möglichkeit gibt, die Produkte der Gubener Hutwerke auszustellen: „Unser Hutmuseum ist zurzeit geschlossen, und so müssen wir nicht alle Stücke im Depot verschwinden lassen.“

Für Unterhaltung am Abend sorgte eine Modenschau, die 50 Jahre wechselnder Mode und Tradition der Niederlausitzer Tuchfabriken zeigte.

Service: Die Ausstellung

Bis zum 21. November ist die Ausstellung «Niederlausitzer Textilstandorte gestern und vorgestern» zu sehen. Das Brandenburgische Textilmuseum in der Sorauer Straße 37 ist dienstags bis donnerstags von 10 bis 17 Uhr und freitags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Für Besuchergruppen können unter Telefon (03562) 973 56 extra Termine vereinbart werden.

Von Jana Pozar