Waschmaschine Rumsch & Hammer
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Museumsverein der Stadt Forst (Lausitz) e.V.
Geschichts-Speicher

Thema

Rückbau und Sicherung einer
Waschmaschine der Forster Firma
"RUMSCH & HAMMER"
(5 Bilder)

Autor Hagen Pusch
im Speicher seit: 18. April 2001

 
Bild 1

Bild 01:

Vermessung und Kennzeichnung der Teile.
 
  

Bild 2 Bild 02:

Typenschild der Forster Firma Rumsch & Hammer

Bild 3 Bild 03:

Unterteil mit Feuerung und Halbschale des Waschkessels.
  

Bild 4 Bild 04:

Transport ins Museum mit Unterstützung der Forster Firma mebra

Bild 5 Bild 05:

Die Einzelteile werden im Museum wieder montiert.

Klicken Sie auf die Bilder
Alle Fotos: Hagen Pusch

Es ist März, der 24. März 2001. Eigentlich ist Frühling. Davon ist heute Morgen nicht viel zu spüren. Im Gegenteil, es ist nieselig und kalt. Doch der Termin steht. Gegen 8 Uhr trifft man sich vor dem Eingangstürchen zum Grundstück von Dr. Borisch. Er ist ärztlicher Direktor des Forster Krankenhauses und hat dem Brandenburgischen Textilmuseum Forst eine alte Waschmaschine angeboten. Im Keller soll Platz geschaffen werden, Umbauarbeiten sind geplant und da stört die alte Maschine. Nach einer vorangegangenen Besichtigung wurde also beschlossen, heute die Waschmaschine für das Museum zu bergen. Zwei "Fliegen" mit einer Klappe. Der Doktor bekommt Platz für den Umbau und das Museum hat eine Maschine aus einheimischer Produktion mehr. Vier Mann sind es, die sich im Keller, mit allerlei Werkzeug "bewaffnet", über die Maschine her machen. Herr Buss, als Museumstechniker, hat die Fäden in der Hand. Dr. Borisch zeigt noch einmal die Funktionstüchtigkeit der Maschine. Sie dreht anstandslos ihre Runden, die letzten - vorerst. Herr Biedermann und Herr Schelle, die ebenfalls im Museum tätig sind, haben schon Erfahrung im Abbau alter Technik und machen sich auch sogleich an die Vermessung der Abstände des Antriebs, der Reversierung, kennzeichnen die Lederriemen und bergen die noch ganz gut aussehenden Keilriemen. [Bild 01] Herr Pusch, der vierte im Bunde, soll eigentlich nur den Transport der abgebauten Maschinenteile zum Museum übernehmen, ist aber ebenfalls schon mit dabei, denn hier kann jede Hand gebraucht werden. In der Zwischenzeit hat Herr Buss sich bereits darum gekümmert, dass die Elektroleitung stromlos geschalten wurde und beginnt mit dem Abklemmen der Kabel. An der Maschine werden die ersten Schrauben gelöst, die ersten Flanschverbindungen der Wasserzuleitung getrennt. Alles klappt gut.

Die an der Wand befestigte Transmissionswelle ist das erste größere Teil, welches abgebaut ist. Es ist schon erstaunlich, in welch gutem Zustand die Lagerungen, das hölzerne Antriebsrad und die Schmierung noch sind, denn seit 1936, so erzählt Dr. Borisch, versieht die Maschine schon ihren Dienst in diesem Keller. Weiter wird geschraubt. Der Warmwasserkessel ist das nächste Teil, das zum Abtransport aufgeladen wird. Dann folgt Stück für Stück. Jetzt muss die obere Verkleidung der Waschmaschine gelöst und abgenommen werden, damit die kupferne Wäschetrommel herausgehoben werden kann. Alle Schrauben lassen sich einwandfrei lösen, als wären sie erst gestern festgezogen worden. Das muss man den Monteuren von damals lassen, die haben ihr Handwerk verstanden. Die Kupfertrommel ist schwer. Zu viert muss sie aus der Lagerung gehoben werden. Danach sieht man nicht mehr viel von der Maschine. Nur das Unterteil mit der Feuerung und die untere Halbschale des Waschkessels stehen noch im Keller. [Bild 03] Noch mal Maß nehmen, 94 cm Breite. Das Türmaß beträgt aber nur 85 cm in der Breite. Zu kippen geht das ganze Teil nicht, also muss auch noch die untere Halbschale abgebaut werden. Danach lassen sich auch die Heizrohre für die Warmwasseraufbereitung entfernen. Das ist auch gut so, denn das Gewicht des Unterteiles ist, trotz aller abgebauten Teile, noch enorm. Es wird gehebelt und gekantet. Und siehe da, jetzt ist auch das Unterteil aus seine Fußbodenverankerung gelöst und kann in Richtung Tür transportiert werden. Zu viert schaffen wir es gerade so, das Teil, Stück für Stück und Stufe für Stufe, nach oben zu bewegen. Oben angekommen, wird überlegt, wie die gut 20 Meter bis zum Anhänger mit dieser Last geschafft werden sollen. Letztendlich hilft ein langes Kantholz, welches durch die Feuerungsklappe und den Rauchabzug, quer durch den Ofen geschoben wird, und somit die Möglichkeit schafft, dass 8 starke Hände das Gerät gut tragen können. Auch das Aufladen kann so einfacher gestaltet werden. Fast alle Teile sind jetzt abgebaut. Als letztes wird der E-Motor von der Wand genommen. Der ist sogar auf Gummilagern befestigt gewesen, die Geräusche und Vibrationen gegen die Wand aufgenommen haben. Alles gut durchdacht!

Der große Tandemanhänger ist voll. [Bild 04] Alle Teile der Maschine sind, so gut es geht, gesichert. Im Keller werden die letzten Aufräumarbeiten durchgeführt, die letzten Kleinteile eingesammelt und der entstandene Dreck wird auch noch beseitigt. Dann noch ein Schluck zur Erfrischung und schon geht die ganze Fuhre Richtung Museum. Hier wird alles wieder abgeladen. Vorsichtig natürlich, denn die Maschine soll, wenn sie wieder zusammengebaut ist, auch funktionstüchtig sein. Die eingelagerten Teile sind hier in guter Gesellschaft, denn in dem Raum befinden sich schon drei Geräte aus der Familie "Waschmaschine". Alle gebaut von "RUMSCH & HAMMER", der Forster Wäschereimaschinenfabrik, die bis zum Ende des 2. Weltkrieges auf Weltniveau produzierte und Ihre Produkte bis nach Übersee verkaufte.

Geschafft! [Bild 05] Die Tür wird verschlossen. Noch ein kleiner Scherz von Herrn Schelle. "Montag, nach dem Frühstück kannst Du kommen, dann dreht die Maschine wieder."

Aber Montag ist im Museum Ruhetag.

 

Hagen Pusch, im März 2001

Wir danken der Firma mebra GmbH aus Forst (L.) für ihre freundliche Unterstützung bei der Demontage der Waschmaschine.