Forster Bier-Brau-Geschichte
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Museumsverein der Stadt Forst (Lausitz) e.V.
Geschichts-Speicher

Thema "Hopfen und Malz - Gott erhalt's"
Aus der Forster Bier-Brau-Geschichte
(6 Bilder)
Autor Hagen Pusch
im Speicher seit: 02. Januar 2001

 

Bild: Hagen Pusch

Etikett des VEB Stadtbrauerei Forst

Bild: Hagen Pusch

Etikett des VEB Stadtbrauerei Forst

Bild: Hagen Pusch

Anzeige aus dem "Forster Wochenblatt", September 1885

Bild: Hagen Pusch

Anzeige aus dem "Forster Wochenblatt", September 1885

Bild: Hagen Pusch

Porzellanverschlüsse von Forster Brauereien und Händlern   

Bild: Hagen Pusch

Tonflaschen, die "personengebundene" Mehrwegflasche vergangener Jahrzehnte

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Oft und gern wird es getrunken und zu allen Anlässen - das Bier. Ob Weißbier, Pilsener, Helles oder Bock - der Sorten gibt es viele. Aus allen "Ecken und Enden" Deutschlands und der Welt kann der Kunde heutzutage sein Lieblingsbier wählen. Im Pro-Kopf-Verbrauch steht es mit Abstand an der Spitze - vor allen anderen Getränken. Doch dass das Bier schon seit langer Zeit ein sehr begehrtes Getränk ist, beweist ein Blick in die Geschichte.

Das Bierbrauen findet sich schon in den ältesten Kulturen aller Erdteile. Erste schriftliche Zeugnisse über das Bier erhalten wir von den Sumerern, einem Volk im südlichen Mesopotamien (3000 v.Chr.). Ebenso verbreitet war das Bier im alten Ägypten, bei den Kelten, den Skythen und bei den Germanen. Seit dem 8. Jahrhundert eintwickelten sich handwerkliche Brauereien und bald schloß man sich auch zu Zünften zusammen. 1561 erließ Herzog Wilhelm IV. in Bayern das Reinheitsgebot, das bis heute noch für deutsche Brauereien verbindlich ist.

Was aber hielt man in unserer Stadt vom Bier? C. Ludwig schreibt in seinem 1907 erschienen Buch "Forst (Lausitz) und seine Industrie in Wort und Bild":

"Forst trug noch im 17. Jahrhundert fast ganz den Charakter eines Landstädtchens, in welchem nur die gewöhnlichen Handwerke betrieben wurden; einzig war es die Braunahrung, die sich zu einem Hauptzweige bürgerlicher Hantierung herausgebildet hatte. ..." Und bei Schneider lesen wir:"Unter den Gewerben beider Städte (Forst und Pförten) nahm der Brauurbar die erste Stelle ein. Das hiesige Weißbier hatte einen solchen Ruf, daß es weit umher verfahren wurde. Magnus nennt die Sechsstädte (Görlitz, Löbau, Zittau Laban, Bautzen und Kamenz) und Dresden und Berlin als Orte, wo es fleißig getrunken worden ist. ..."

Nur die Standesherren hielten wohl nicht allzuviel von der Forster Braukunst, denn die letzten Biebersteine ließen sich oft Zerbster Bier holen.

Wie stark der Einfluß der Braucommune selbst auf die Herrschaften war, verdeutlicht die Tatsache, daß der Graf von Watzdorf auf Pförten 1727 den Versuch untennahm die Dörfer Berge, Jähnsdorf und Sacro "mit Pförten'schem Biere zu verlegen", dies aber auf Grund des am 10. November 1657 geschlossenen Receßes wieder einstellen mußte. Dieser Receß sah vor, daß die Dörfer Alt-Forst, Berge, Domsdorf, Jähnsdorf, Klein Jamno, Noßdorf, Scheuno und Sacro, nebst den Vorwerken und Schäfereien nur mit Forster Bier versorgt werden durften und Groß-Bademeusel, Eulo und Mulknitz mit Bier aus der Herrschaft Pförten. Wobei darin ausdrücklich ausbedungen worden ist, "daß in die genannten Dörfer kein Bier von dem Gegentheile verladen werden dürfe."

Im Jahre 1676 wurde die erste bekannte Brauordnung für Forst entworfen, nach der es 96 braube- rechtigte Häuser in der Stadt gegeben hat. 1846 waren es 98 , worunter sich "die beiden Burglehne und zwei Freihäuser befinden".(Schneider) Dazu sei bemerkt, dass die Brauberechtigung nicht personengebunden war, sondern dass diese auf dem entsprechenden Hause ruhte, und somit der jeweilige Besitzer brauberechtigt wurde. Die meisten brauberechtigten Häuser gab es in der Mühlenstraße. Dort zählte man allein 25 und um den Marktplatz gab es 15 dieser Häuser. Gebraut wurde aber nicht im Hause selbst. Dazu gab es bis ins 18. Jahrhundert drei Brauhäuser in Forst. Das Herrschaftliche Bräuhaus am Jahn'schen Schloß, das Kirchenbräuhaus in der Mühlenstraße (Mühl Gaßn) und das Stadtbräuhaus in der Jägerstraße (früher Hintner Gaßn). Da das Brauhaus am Schloß Opfer des Stadtbrandes 1748 wurde und nicht mehr aufgebaut wurde, gab es fortan nur noch zwei Brauhäuser, die später auch das "vorderste" und das "hinterste" genannt wurden. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde am Eulo'schen Wege (heute Cottbuser Straße) zur besseren Bereitung des zum Brauen benötigten Malzes ein Malzhaus errichtet. Es bestand aber nicht sehr lange und mußte schon um die Jahrhundertwende den "Mohr'schen Neubauten" weichen.(Gebäude hinter dem "Forster Hof")

Seit 1873 bestand die Forster Braucommune als eingetragene Genossenschaft und ihr Statut regelte alle Belange des Brauereiwesens in Forst. Es erfolgte die öffentliche Bekanntmachung des Brautages und zugleich auch die Bekanntgabe der Namen, der an diesem Tag brauberechtigten Bürger. Brauen und vertreiben durften, unter Aufsicht eines extra eingestellten Bier- Inspectors, jetzt nur noch Bürger, die auch Mitglied in der Brau-Commune waren und entsprechende Geschäftsanteile besaßen. Fr. Passarius schreibt u.a. in seinen "Erinnerungen":

"... Der Reihe nach brauten stets zwei Brauberechtigte 40 Tonnen Weiß- oder Braunbier, wozu ein Braumeister und zwei Gehilfen angestellt waren. Die Schankwirte und Tabagisten erhielten ihren Bedarf ungegoren, die Tonne zu 100 Kannen (Quarten - 1 preuß. Quart = 1,145 l) für 3 Thaler frei ins Haus, ließen es im Keller gähren, füllten gehörig Wasser zu und zogen es dann auf 5/4-Quartflaschen. Das übrige Bier wurde in dem Keller der Brauberechtigten weiter gepflegt, gehörig getauft und an Gäste im Hause oder über die Straße quartweise verkauft. Dann steckte neben der Haustür ein zwei Fuß langer roter Kegel auf einem Biereisen und besagte: "Hier gibt's Weißbier" oder (wenn der Kegel ein grünes Reis trug):"Braunbier". Auswärtiges Bier durfte bis zur Einführung der Gewerbefreiheit nicht eingeführt werden." (Aus der Heimat 2/23)

Nach Auflösung der Brau-Commune und der Einführung der Gewerbefreiheit gab es in Forst dann auch andere Biere. Ein Blick in die Transportartikel-Statistik der Forster Stadtbahn aus dem Jahr 1906 ist dabei ganz interessant. An erster Stelle der transportierten Güter steht natürlich die Kohle, an zweiter Stelle Holz aller Art und, man will es fast nicht glauben, an dritter Stelle steht der Tranport von Bier mit 3870 Tonnen.1927 gibt es in Forst 12 Bierhändler oder Vertreter und unter der Rubrik Brauereien finden wir die Namen Hermann Furchner in der Jägerstraße 7, Bruno Klemt in der Cottbuser Straße 76 und Kurt Blankenstein im OT Berge, Lange Straße 7. Diese drei Brauereistandorte blieben bis 1945 erhalten. Nach Kriegsende war es allein Walter Furchner, der in der Jägerstraße die Forster Brauereitradition fortsetzte. Diese endete an selbiger Stelle als der VEB Stadtbrauerei Forst 1973 den Brauereibetrieb gänzlich einstellte und nur noch als Verlagsbetrieb das Bier anderer Brauereien abfüllte.

27 Jahre später, im Jahr 2000, ist es Franz Worrich, der die Forster Bier-Brau-Tradition wieder aufleben lassen will. Zur Weihnachtszeit zapfte er in seinem "Pub" des erste Forster Bier seit langer Zeit.