300 Jahre Preußen

 

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Museumsverein der Stadt Forst (Lausitz) e.V.
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300 Jahre Preußen
Wie die Lausitz zu Preußen kam, unter besonderer Berücksichtigung der Stadt Forst (L.)
(3 Bilder)

Autor Hagen Pusch
im Speicher seit: 11. Februar 2001

 
Preußenkönig Friedrich Wilhem III.jpg (13706 Byte)

Preußenkönig Friedrich Wilhem III.

Der Sachsenkönig Friedrich August I.jpg (21083 Byte)

Sachsenkönig Friedrich August I (Gemälde von Vogelstein) aus H. Hackmann, Sachsen, Histor. Landeskunde, Verlag Weidlich, 1991

Wappen Niederlausitz.jpg (18223 Byte)

Wappen der Niederlausitz

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Wenn in diesem Jahr die Feierlichkeiten zum 300. "Geburtstage" des preußischen Staates begangen werden, so bleibt doch die Rolle Preußens in der Geschichte sehr umstritten. In diesem Beitrag soll es aber nicht um die Entwicklung Preußens in Europa gehen, sondern um die Frage, wie die Lausitz und damit natürlich auch unsere Stadt Forst, zu Preußen kam.

Als sich der preußische Kurfürst Friedrich III. in den Morgenstunden des 18. Januar 1701 im Königsberger Schloß selbst die Krone aufsetzte und fortan als König Friedrich I. - von Gottes und von eigenen Gnaden- sein Preußen-Land regierte, gehörte unsere Lausitz noch zu Sachsen. 114 Jahre sollte das auch noch so bleiben. Dazwischen hat August der Starke, sächsischer Kurfürst und König von Polen im Jahre 1719 einen Pagen namens Heinrich von Brühl an den Dresdener Hof geholt. Dieser wiederum brachte es dort zu großem Ruhm und Ehren und durch umfangreiche Erwerbungen kam auch unser Städtchen Forst in den Besitz des am 8. Dezember 1746 zum sächsischen Premierminister ernannten Grafen Brühl.

Die Jahre vergingen, der Siebenjährige Krieg (1756 - 1763) stärkt Preußen, schwächt aber Sachsen und nach dem Tode des Kurfürsten Friedrich August II., fiel Brühl in Ungnade und schloß, wie sein König, ebenfalls im Jahre 1763 für immer die Augen.

In den folgenden Jahren wurde das Königreich Polen durch Österreich, Rußland und Preußen aufgeteilt. Preußen erstarkte weiter, führt mit Österreich 1792 den Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich, scheitert aber bei Valmy. Sachsen wird Verbündeter Preußens. Der sächsische Kurfürst Friedrich August III. zieht gemeinsam mit dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. 1806 gegen Frankreich in den Krieg. Die für Preußen vernichtende Schlacht am 14. Oktober 1806 bei Jena und Auerstedt veranlasst Sachsen sich von Preußen zu trennen und dem Rheinbunde beizutreten. Neben bedeutendem Länderzuwachs (u.a. Kottbuser Kreis) erhielt der sächsische Kurfürst von Napoleon den Königstitel. Fortan ist Sachsen ein Königreich und aus Friedrich August dem III. wird König Friedrich August I.

Das Jahr 1813 beginnt. Preußen, im Verbund mit Rußland und Österreich, besiegt Napoleon in der "Völkerschlacht" bei Leipzig vom 16. - 19. Oktober 1813. Nun hat sich auch das Schicksal Sachsens wieder gewendet und mit ihm natürlich auch das Schicksal unserer Lausitz. Bereits kurz nach der Schlacht bei Leipzig beschlossen die Stände der Niederlausitz in Lübben, gemeinsam mit denen aus der Oberlausitz eine Eingabe an die "Mächte" zu übergeben, um die Lage ihres, in Berlin gefangen gehaltenen, Monarchen zu verbessern und die Unversehrtheit seiner Lande erreichen zu können. Landrichter von Houwald wurde zu Friedrich August geschickt, um seine Zustimmung einzuholen. Er billigte dieses Vorhaben, wünschte aber nicht, dass man dabei die Unversehrtheit des Königreichs Sachsen erwähnte. In November wird abermals ein Schreiben der beiden Stände abgefasst, in dem den "Mächten" für die Wiederaufrichtung der Freiheit gedankt wird. Wiederum wir dabei um die Befreiung des Sachsenkönigs gebeten, denn
"mit ihm wieder vereint, auf seinen Ruf und unter seiner Leitung, o wie gern und mit welchem Enthusiasmus würden wir mitwirken für die feste Begründung teutscher Freiheit und Selbstständigkeit! Selbst den letzt Rest unserer erschöpften Kräfte würden wir zu diesem hohen Zwecke aufbieten, denn nicht müßig wollen wir dem großen Kampfe zusehen und die Früchte blutiger Siege ernten, ohne sie selbst mit unserem Leben errungen zu haben."
Immer wieder versuchten die Niederlausitzer, auch im Verbund mit den anderen sächsischen Ständen, die Geschicke ihres "bedrohten" Landes zu verbessern, aber die Erfolge blieben aus.

Mit Beginn des Wiener Kongresses am 22. 9.1814, der die politischen Verhältnisse in Europa neu ordnen sollte, werden weitere Schritte unternommen. Als sich Anfang des Jahres 1815 das Gerücht verbreitete, dass die "Mächte" mit Friedrich August über die Abtretung eines Teils seines Gebietes verhandeln würden, schickten die Niederlausitzer wieder zwei Abgesandte zum König, mit der dringenden Bitte, die Niederlausitz unter keiner Bedingung an eine fremde Hoheit abzutreten. Auf Anraten des Ministers von Einsiedel wurde danach ein neues Schreiben aufgesetzt und durch Graf von Brühl und Konsistorialrat von Carlsberg in Wien an Metternich übergeben.

Am 8. Februar 1815 willigte Preußen unter schweren Bedenken in die Wiedereinsetzung des sächsischen Königs in einem Teil seiner Staaten ein. Ein bis zum 30. April 1815 befristetes Ultimatum zwang Friedrich August letztlich zur Zustimmung der Teilung seines Staates.

Der Friedensvertrag zwischen Preußen und Sachsen wurde am 18. Mai 1815 in Wien abgeschlossen und am 21. Mai ratifiziert. Preußen erhielt mit der größeren nördlichen Hälfte Sachsens auch das Markgrafentum Niederlausitz, sowie noch weitere Gebiete Sachsens. Nach Artikel 4 nahm der König von Preußen außer anderen Titeln auch den des Markgrafen der beiden Lausitzen an.

Ausdrücklich verzichtet der Kaiser von Österreich in Artikel 18 der Wiener Schlußakte auf die im Traditionsrezeß von 1635 festgelegten Rechte, die ihm als König von Böhmen hinsichtlich der Niederlausitz zustanden, und behielt sich lediglich ein Rückfallsrecht für den Fall vor, dass das regierende Haus der Hohenzollern ausstarb. Mit dieser Bestimmung erreichte eine jahrhundertealte Bindung ihr Ende.

Was tat sich zu dieser Zeit in Forst? Das Leben hier war von ständigen Einquartierungen und Durchmärschen der verschiedensten Truppen gekennzeichnet. Bei Schneider lesen wir:
"Unruhevoller und wechselreicher war das Jahr 1813, in welchem die gefährliche Säuche, welche aus dem Feldzuge in Rußland mitgebracht worden war, auch zu Forst einige Opfer forderte.
Im Februar standen Sachsen hier, denen bis zum 26. 659 Portionen und 527 Rationen geliefert wurden. Im Mai erschienen die Russen. Von Guben rückten binnen 6 Tagen 3 Artillerie-Trains mit 130 Officieren und 883 Mann nebst 1270 Pferden ein, denen noch einzelne Commando’s folgten. An diese sind vom 13. Mai bis 9. Juni 7540 Pfund Fleisch aus dem hiesigen Magazine geliefert worden. Am 13. und 18. war die Anhäufung derselben am stärksten; denn es trafen 7 Infanterie-, 4 Jäger-Regimenter und ein Regiment Dragoner vom Barclai de Tolli’schen Corps ein. Am 2. Juni hatten die preußischen Officiere des Bülowschen Corps einen Ball auf dem Rathause. Bald darauf kehrten die Franzosen wieder, und im Julius befanden sich 1800 bis 2000 derselben im Umkreise und ruhten während des Waffenstillstandes aus. ... Die Zahl der sämmtlichen Hausnummern im Jahr 1814 war 272 und die der Einwohner der Stadt 1817."

Am 20 Juli 1815 rückte eine Kompanie preußischer Soldaten in Forst ein, die von den öffentlichen Gebäuden, Rathaus, Post, Gericht, das sächsische Wappen entfernten und den preußischen Adler anhefteten.

"Am 3. August 1815 war in beiden Herrschaften die Feier der dem neuen Könige, Friedrich Wilhelm dem Dritten, in dem ihm zugefallenen Theile des Königreichs Sachsen geleisteten Huldigung. Hier zu Forst wurde dieselbe durch das Geläute aller Glocken angekündigt. Ein feierlicher Zug fand Statt, durch das Spalier der Schützengilde in die Kirche und nach Vollendung des Huldigungs-Gottesdienstes eben so auf’s Rathaus zurück, wo der Bürgermeister Bescherer eine Rede hielt und dem neuen Könige ein Lebehoch ausbrachte. Auf dem Haage waren Zelte aufgeschlagen, unter denen die Honoratioren und die benachbarten Gutsbesitzer mit ihren Familien, die Schützengilde und die Bürgerschaft speisten, und die dem Könige unter Trompeten- und Paukenschall ein wiederholtes Lebehoch ertönen ließen. Am Abend war die Stadt, zwei Pyramiden mit Blumenkränzen vor des Bürgermeisters Hause und die Pappelallee nach dem Amtshause zu, hell erleuchtet." (Schneider’sche Chronik)

Bei Hermann Standke lesen wir dazu:
"Im Gegensatz zu der Feier von Napoleons Geburtstag vor fast genau zwei Jahren erglänzte jetzt der Name König Friedrich Wilhelms mit sinnigen Sprüchen an den Fenstern vieler Häuser. Die ganze Woche hindurch dauerte das fröhliche Leben. Allem Anscheine nach ist der Übergang an die Krone Preußens den Forstern nicht zu schwer gefallen."

Insgesamt wurden von Sachsen 20.000 km² Land, mit 864.000 Einwohnern, an Preußen abgetreten.

Hagen Pusch, im Januar 2001

 

Rudolf Lehmann "Geschichte des Markgrafentums Niederlausitz", 1937
Hermann Standke "Heimatkunde der Niederlausitz", 1923
Joh. Christoph Schneider "Chronik der Stadt und Standesherrschaft Forst", 1846
Die Große Bertelsmann Lexikothek, 1995
H. Heckmann, Sachsen, Histor. Landeskunde, 1991