Willy Wolff
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Ausstellungsarchiv

Willy Wolff

Malerei - Monotypen - Collagen - Objekte
aus Forster Privatsammlung und Nachlass

19. Mai bis 2. Juli 2000

Ausstellungseröffnung

Bilder
Laudatio
Biographie
Dank

Bilder von der Ausstellungseröffnung

Cottbuser Band CB Funk vlnr: Dr. Ronald und Dr. Marion Weser, Pan Wolff vlnr: Schneider, Dr.Reinfeld, Dr. Weser, Roy

Laudatio

Beate Schneider

Vorsitzende des Museumsvereins der Stadt Forst (Lausitz)e.V.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Museumsvereinsmitglieder,

ich begrüße Sie herzlich zur heutigen Vernissage und ganz besonders Herrn Bürgermeister Dr. Reinfeld, Frau und Herrn Dr. Weser, Herrn Pan Wolff und die gutgelaunten Herren von CB Funk aus Cottbus.

Die neue Ausstellung im Brandenburgischen Textilmuseum, die dem Dresdner Künstler Willy Wolff gewidmet ist, verdankt ihre Entstehung dem Ehepaar Dr. Weser, ihrer Freude an der Kunst und ihrer eifrigen Sammlerleidenschaft. Unterstützt und ergänzt wird die Forster Privatsammlung für diese Museumspräsentation aus dem Nachlass des Künstlers, dafür danke ich Herrn Pan Wolff aus Berlin.

Ich möchte auch das Leonhardi-Museum in Dresden erwähnen, dass sich bereits zu DDR – Zeiten dem Künstler u.a. Außenseitern der offiziellen Kunstpolitik verpflichtet fühlte und aufgrund der provokanten Ausstellungen, aber offiziell "wegen Renovierung" 1982 geschlossen und nach drei Jahren mit einem neuen Profil wiedereröffnet wurde.

Im April dieses Jahres ging in Leonhardi – Museum, Namensgeber ist der Dresdner Künstler Eduard Leonhardi (1826 – 1926), ein Schüler von Ludwig Richter, eine Ausstellung zu Ende, die dem 95. Geburtstag von Willy Wolff gewidmet war.

Die Ausstellung wurde von einem ausgezeichneten Katalog begleitet, wissenschaftlich bearbeitet von Sigrid Walther. Und zurecht kann man diesen wohl als Standartwerk zum avantgardistischen Künstler Willy Wolff bezeichnen.

Im Anschluss an diese Eröffnung können Sie auch bei uns einige Exemplare erwerben.

Willy Wolff, 1905 in Dresden geboren und 1985 dort verstorben, zählt zu jenen Künstlern in der Kunstgeschichte, die mit ihrer Kunst der Zeit weit voraus waren und somit auf Missverständnis und sogar auf Ablehnung stießen. Ein Künstlerschicksal das uns in der Geschichte immer wieder begegnet.

Seiner Frau Annemarie, die in erster Ehe mit dem Bildhauer Theo Balden verheiratet war, verdankt Willy Wolff die stete Unterstützung und Kraft für seine künstlerische Arbeit, obwohl er über die geringe öffentliche Anerkennung sehr verzweifelt war. 1970 sagte er in einem Gespräch: "Ich bin Mitte 60... und ich habe noch niemals eine Reihe von meinen Bildern an einer Wand gesehen. Ich weiß gar nicht, wie das wirkt, ich habe hier keinen Abstand... Ich kann nicht mehr malen... ich weiß nicht wohin mit den Bildern, die Garage ist voll."

Damals vermochte sich wohl keiner vorzustellen, dass seine Werke doch einmal in großen Museen und Sammlungen zu sehen sein werden.

Und schon gar nicht, das einige Arbeiten einer Forster Privatsammlung und aus seinem Nachlass auch in unserer, von den Kunstmetropolen entfernten, Stadt ausgestellt werden.

Als der späte und damit auch kurze Erfolg für den Künstler Willy Wolff in den siebziger Jahren einsetzte, verstarb seine Frau.

Nach Monaten, die von tiefer Trauer und künstlerischer Pause geprägt waren, hatte Willy Wolff das Glück Gerda Dudek und seinen Sohn Pan mit Familie an seiner Seite zu haben, die ihm sozusagen den Rücken freihielten und ihm die notwendigen, oft unscheinbaren und aufwendigen organisatorischen Dinge des Lebens und der Ausstellungen, abnahmen.

Der berufliche Lebensweg dieses unbeirrbaren Künstlers, begann nach der Schulausbildung 1920 zunächst mit der Lehre als Kunsttischler, für kurze Zeit schließt er sich der Wandervogelbewegung an, hält Kontakte zu linken anarchistischen Gruppen, ließt Werke des Philosophen Max Stirner, dessen Zitat: "Was soll nicht alles meine Sache sein, nur meine eigene Sache nicht." wie ein Bekenntnis in seinem Selbstporträt von 1970 steht, das sich heute in der Gemäldegalerie Neue Meister in Dresden befindet. Außerdem besucht der zwanzigjährige Weiterbildungskurse an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Dresden.

1927 begann Willy Wolff sein Studium an der Akademie der Künste, zunächst bei Richard Müller (1875 – 1954), "dem Zuchtmeister der Dresdner Zeichenschule", wie er in Schülerkreisen genannt wurde. Müllers Einfluss auf die Arbeiten Willy Wolff blieb nachhaltig im Formalen präsent. Anschließend besuchte Willy Wolff die Akademieklasse von Otto Dix und wurde sein Meisterschüler. Otto Dix (1891 – 1969) hatte sich zu dieser Zeit, nach expressionistischen und dadaistischen Anfängen der Neuen Sachlichkeit zu gewandt und wurde einer der führenden Vertreter dieser Kunstrichtung, die das Interesse auf die distanzierte Darstellung kühler Sachwirklichkeit mit den Mitteln einer glatten, stilisierten Formulierung richtete. Die politische und soziale Komponente und die zum Teil beißend-kritischen Bildthemen von Dix wirkten unmittelbar auf den jungen Wolff, der selbst einer proletarischen Familie entstammte. Als Dix nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten das Lehramt untersagt wurde, war auch für Wolff das Studium an der Akademie beendet. Neben Broterwerbsarbeiten, wie Zeitungen austragen und Stuben ausmalen, wandte sich Willy Wolff in seiner künstlerischen Arbeit nun romantisierenden, weltabgewandten Landschaften und Stilleben zu – seine künstlerische Entwicklung erfährt einen herben Bruch, der erst in den fünfziger Jahren überwunden wird. Von 1940 bis 1945 wird Willy Wolff zum Kriegsdienst verpflichtet. Bei dem Bombenangriff auf Dresden verliert er fast sein gesamtes künstlerisches Werk.

Eine neue Schaffensperiode begann der mittlerweile Vierundvierzigjährige nach der Beendigung des Krieges.

Es entstehen vor allem Landschaftszeichnungen, Interieurs und Stilleben mit einem präzisen, den Dingcharakter bezeichnenden Strich, die zwar ihre Wurzeln in der Neuen Sachlichkeit haben, jedoch mehr den Surrealismus seines ehemaligen Lehrers Richard Müller reflektieren.

Bis Anfang 1960 vollzieht sich im Werk Willy Wolffs eine Entwicklung zur Abstraktion. Er versucht den Gegenstand zu überwinden, um somit zu reinen Farb- und Formwerten zu gelangen. Ausschlaggebende Impulse erhält er auf seinen Englandreisen 1957 und 1958. Zum ersten Mal hat Willy Wolff hier Kontakte mit der modernen westeuropäischen Kunst und vor allem mit der Pop Art, einer Kunstrichtung die sich seit 1956 in England und den USA entfaltete und auf die Warenwelt der großstädtischen Massenkultur und ihrer medialen Vermittlung reagierte und alles für bildwürdig erklärte.

Willy Wolff ist der erste Ost – Künstler, der unter Benutzung der Elemente der Pop Art zu eigenständigen Bildlösungen kommt, mit hintergründigem Witz und kritischer Distanz, natürlich bestimmt von seinen eigenen Lebenserfahrungen. Neben der Malerei beschäftigt sich Willy Wolff seit den sechziger Jahren auch mit Skulpturen, Objekten und Collagen.

1971 zwingen gesundheitliche Gründe den Sechsundsechzigjährigen das Malen aufzugeben. Es entstehen nun vor allem Monotypien, Collagen, Assemblagen und Objekte.

In diesem Jahr wird auch von der Dresdener Gemäldegalerie Neue Meister ein erstes Gemälde angekauft.

1976, Willy Wolff ist 71 Jahre alt, findet in Dresden die erste große Personalausstellung für den Künstler statt und sein Werk erfährt endlich eine ihm angemessene Würdigung. Es folgen weitere Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland, doch auf den Kunstausstellungen der DDR sucht man Willy Wolff Arbeiten vergebens, 1983, zwei Jahre vor seinem Tod, ist er mit einem Werk vertreten.

Ich möchte meine kurzen Ausführungen, die nur einige biographische Eckdaten umfassen, gern mit einem Zitat von dem Kunsthistoriker Joachim Menzhausen beenden.

In sein Nachruf für einen guten Freund schreibt Menzhausen über Willy Wolff 1985:

"Er hat nie gemacht, was man von ihm wollte... Er sagte immer nur recht allgemein, dass er das mache, was er machen müsse. Punktum. ...So wie er ein wahrer Künstler war, war er auch ein wahrer Linker, versehen mit einem geradezu instinktiven Misstrauen gegen das Etablierte. Selbst als er es hätte sein können, war er es nie. Er war KP - Mitglied seit 1929, er war in der ASSO, aber schon vorher war er in der anarchistischen Jugendbewegung organisiert. Etwas von Revolte ist bei ihm immer gegenwärtig, frisch, unmittelbar und jugendlich, zugleich aber eine penible Ordnung, die von seinem Parkett bis zur Makellosigkeit seiner Farbflächen reicht... Die Natur... gab ihm Schaffenskraft und -lust bis zuletzt. Er hat sich voll verwirklicht in einem Werk, dessen Möglichkeit er voll ausgeschritten hat, und das ihn teilhaben lässt an dem, was so viele erhoffen und so wenige erhalten: Unsterblichkeit, so weit unser Auge reicht."

Biographie des Künstlers Willy Wolff

Beate Schneider

Vorsitzende des Museumsvereins der Stadt Forst (Lausitz) e.V.

1905

Am 5. Juli wird Moritz Martin Willy Wolf in Dresden geboren
Sein Vater ist Schneidermeister, seine Mutter Wäscherin

1912 – 1927

Schulausbildung, Kunsttischlerlehre, Weiterbildungskurse an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Dresden
Studium an der Akademie der bildenden Künste

1930

Mitglied der ASSO Dresden (Assoziation Revolutionärer Bildender Künstler Deutschlands), Anerkennungsurkunde von der Akademie

1933

Eigenes Atelier in Dresden
Hausdurchsuchungen, Ausstellungs- und Verkaufsverbot

1936, 1938

Ausstellungsbeteiligung in der Städtischen Kunsthalle Dresden
"Der junge Willy Wolff überrascht mit feinerfühlten Stimmungen."

1940 – 1945

Kriegsdienst und Gefangenschaft
Beteilungen an zwei Herbstausstellungen des Sächsischen Kunstvereines
Verlust zahlreicher künstlerischer Arbeiten durch den Bombenangriff auf Dresden

1947 - 1951

Mitglied der Dresdner Künstlergemeinschaft "Das Ufer",
Verschiedene Ausstellungsbeteilungen

1952

Künstlergruppe "Das Ufer" muss sich durch die Gründung des zentralistisch angelegten
Verband Bildender Künstler neu organisieren

1953

III. Deutsche Kunstausstellung in Dresden, markiert den Durchbruch zum Sozialistischen Realismus Willy Wolffs Arbeiten werden ausgesondert

1954

Es entstehen erste realistische Zeichnungen mit phantastisch-surrealen Tendenzen
Beteiligungen an kleineren Ausstellungen in Dresden
Gründungsmitglied der Genossenschaft bildender Künstler "Kunst der Zeit"

1955

Ausstellung anlässlich seines 50. Geburtstages

1956

Heirat mit der Textilkünstlerin Annemarie Köhler - Balden
Ausstellungsbeteiligungen in Dresden und Frankfurt am Main
Presse urteilt: "ein gutes Beispiel von guter Dresdner Kunst"

1957

Ausstellungsbeteiligung im Albertinum
Presse : "Schwarzbebrillt ist hoffnungslos. Willy Wolff und anderer Künstler getrübter Blick für die Realitäten."
Englandreise, Berührung mit der westlich modernen Kunst, wesentliche Impulse für seinen künstlerischen Wandel erhält Willy Wolff vor allem von der Pop Art

1959 - 1963

Anstellung als Führungskraft an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
In seiner Malerei geht Willy Wolff zu abstrakten Formen
Es entstehen erste Sandsteinskulpturen
Ausstellungen in Privatgalerie
Magenoperation

1966

Gemeinsame Ausstellung des Ehepaares Wolff in der Galerie Kühl in Dresden

seit 1967

Beschäftigung mit Entwürfen für Collagen in Stil der Pop Art sowie mit dem Handdruck

1968 - 1970

Geplante Ausstellung in der Galerie der Künstlergenossenschaft "Kunst der Zeit" wird vom Rat der Stadt Dresden verboten
Es entstehen erste Messingobjekte sowie eine dichte Folge von Gemälden, Collagen, Monotypien und Skulpturen Genossenschaft
Verzweiflung über die geringe öffentliche Präsenz seiner Werke "Ich bin Mitte 60... und habe noch niemals eine Reihe von meinen Bildern an einer Wand gesehen."
Tod von Annemarie Balden - Wolff

1971

Gesundheitliche Gründen zwingen zur Aufgabe der Malerei, verstärkte Hinwendung zur Monotypien, Collagen und Objekten
 Erster offizieller Ankauf eines Gemäldes durch die Galerie Neue Meister Dresden

1972 – 1985

Verschiedene Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland, jedoch nicht an den Kunstausstellungen der DDR
1976 erste große Retrospektive der Werke Willy Wolffs in Dresden
"Auf diese Ausstellung hat Willy Wolff mit manchmal grimmiger Geduld lange gewartet...Die Arbeiten haben nichts von ihrem ...bewährten anregenden Charakter eingebüßt."
1979 Ehrung mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Bronze ("Durchhalteorden")
1983 Beteiligung an der X. Kunstausstellung der DDR
1985 Kleine Sonderausstellung in der Dresdner Gemäldegalerie Neue Meister und im Kupferstichkabinett, anlässlich seines 80. Geburtstages
Am 8.Juli 1985 stirbt Willy Wolff in seinem Haus in Dresden.

Dank für die Unterstützung der Ausstellung