Großschönauer Textilwaren
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Ausstellungsarchiv

Großschönauer Damast- und Frottierwaren im Wandel der Zeit

11. Mai 2001 bis 9. September 2001

Blick in die Sonderausstellung Eröffnung
Presse
Vortrag

Eröffnung am 11. Mai 2001

Eröffnung am 11. Mai 2001 Kulturdezernent Hermann Kostrewa, Landkreis Spree-Neiße Gottfried Pilz , Vorsitzender Förderverein Deutsches Damast- und Frottiermuseum Großschönau
Bademantelmodenschau mit Produktion aus Großschönau Bademantelmodenschau mit Produktion aus Großschönau Bademantelmodenschau mit Produktion aus Großschönau
Eröffnung am 11. Mai 2001 Eröffnung am 11. Mai 2001 Auch zum Verkauf: Frottierwaren aus Großschönau Beate Schneider (Vorsitzende Museumsverein Forst) und Gottfried Pilz (Vorsitzender Förderverein Großschönau)
Blick in die Sonderausstellung Vorbereitung der Ausstellung am 2. Mai 2001

Unter Anwesenheit vieler Gäste aus Großschönau eröffnete am Freitagabend (11.Mai 2001) der Kulturdezernent des Landkreises Spree-Neiße, Hermann Kostrewa, die neue Ausstellung im Museum. Vom Förderverein des Deutschen Damast- und Frottiermuseums Großschönau gab Gottfried Pilz einen interessanten Fachvortrag über die Entwicklung des Ortes in Verbindung mit der Damast- und Frottierherstellung.

Die anschließende Modenschau mit Bademänteln aus Großschönauer Produktion fand bei den über 60 Anwesenden große Aufmerksamkeit und Beifall.
Die Ausstellung ist bis zum 9. September 2001 im Brandenburgischen Textilmuseum zu besichtigen.

Die Ausstellung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Damast- und Frottiermuseum Großschönau, dem Förderverein des Deutschen Damast- und Frottiermuseums und dem Museumsverein der Stadt Forst (L.) e.V.
Beide Vereine verbindet schon seit längerem eine engere Beziehung, so besuchten sich die Mitglieder u.a. im Rahmen von Studienfahrten gegenseitig und stellen Informationsmaterialien untereinander zur Verfügung.

Lausitzer Rundschau vom 14. Mai 2001

Eine Stoff gewordene Zeitreise

Ausstellung im Textilmuseum: Historische und neue Produkte aus Damast und Frottier

Forst. Eingehüllt in flauschige Bademäntel spazierten Mitglieder des Forster Museumsvereins durch die Reihen im Brandenburgischen Textilmuseum. Der Beifall des Publikums galt den Models aus dem Verein genauso wie den Erzeugnissen der Frottana Großschönau, mit denen sich das nach 1989 von einer namhaften westdeutschen Firma gekaufte Unternehmen auf dem Markt etabliert hat.

Anlass für die ungewöhnliche Modenschau war die Eröffnung der Sonderausstellung "Damast und Frottier aus Großschönau " in Forst. Die Modenschau war Abschluss eines geschichtlichen Exkurses zur Einführung, gehalten von Gottfried Pilz.

Der Ingenieur ist heute Vorsitzender des Fördervereins des Deutschen Damast- und Frottiermuseums in Großschönau. Er hatte in den 80er Jahren begonnen, in seiner Freizeit einen Damastzugwebstuhl zu rekonstruieren, der zu den wertvollsten Ausstellungsstücken in Großschönau gehört. Dieser Webstuhl gilt als eines der kompliziertesten mechanischen Geräte der Neuzeit.

Mit Maschinen waren die Gäste aus der Oberlausitz nicht nach Forst gekommen. Wohl aber mit wertvollen Ausstellungsstücken, die Beispiele für eine Jahrhunde alte Tradition lieferten. Gottfried Pilz zog Vergleiche zwischen den Textilstandorten Großschönau und Forst. In beiden sei in den zurückliegenden Jahren ein rapider Abbau von Arbeitsplätzen in der Textilindustrie zu verzeichnen gewesen. So sind von den mehr als 3000 Arbeitsplätzen des VEB Frottana Ende der 80-er Jahre nur einige hundert in der Frottana-Textil GmbH und der Damino GmbH erhalten geblieben.

Die Forster Zuhörer erfuhren über die am Ende erfolgreichen Bemühungen preußischer Herrscher, die Damastweber aus Großschönau abzuwerben. Sie hörten vom Aufschwung der Webereien nach dem zweiten Weltkrieg, von der Verstaatlichung der kleinen privaten Betriebe. Gottfried Pilz skizzierte den Aufstieg des Volkseigenen Betriebes zu DDR-Zeiten zu einem führenden Hersteller von Frottierwaren. Es überließ es den Zuhörern, Parallelen zur Region Forst zu ziehen.

Fachleute unter sich waren anschließend in den Diskussionen vor den Ausstellungsstücken zu beobachten. Das Blättern in den Musterbüchern wurde in einer besonderen Art zur Zeitreise: Nicht nur die Herstellungstechnolgien änderten sich. Anhand der Muster konnte der Wandel des Geschmacks der Kunden nachvollzogen werden. Wieder aufgefrischt wurden die Erinnerungen an die malimo-Tücher und Bademäntel. Und so wie die Bademantel-Modenschau den historischen Exkurs der Großschönauer Gäste bei der Einführung in die Ausstellung abrundete, konnten die Besucher am Ende des Rundganges aktuelle Erzeugnisse der Damast- und Frottierproduktion in Großschönau bewundern.

Elke Möbus

Lausitzer Rundschau vom 24. Mai 2001

Ein Tuch besiegelt den Frieden

Vereint: Friedrich der Große, August der Schwache und Maria Theresia
Forst. Ein Friedenstuch aus dem Jahr 1763 ist zurzeit in der Sonderausstellung über Damast- und Frottierwaren aus Großschönau im Forster Textilmuseum zu sehen. Aus glänzender Seide und gebleichten Leinen gewebt, besiegelte dieses Tuch nach dem Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) den Frieden.

Man muss sich schon ganz nah über die Vitrine bücken und genau hinsehen, um die verschiednen Motive auf dem 101 mal 86 Zenitmeter großen Tuch zu erkennen. Friedrich II., König von Preußen, Maria Theresia, Kaiserin von Österreich, und August III., Kurfürst von Sachsen und König von Polen sind als Muster eingewebt und stehen friedlich nebeneinander. In den Ecken des Tuches ist die Hubertusburg zu erkennen, auf der der Frieden besiegelt wurde. "Gewebt wurde das Friedenstuch aus Seide und Leinen auf einem Damastwebstuhl " , erzählt Angela Maaß, Geschäftsführerin des Museumsvereins. Die für das Tuch benötigten Leinenfäden habe man früher täglich für mehrere Monate in die Sonne zum Bleichen gehängt und mit Wasser angefeuchtet. Sie berichtet weiter, dass das Großschönauer Museum das Tuch vor drei Jahren aus Privatbesitz erworben hat. Von wem das Tuch genau stammt, könne sie nicht sagen. "An einigen Stellen ist es schon sehr dünn " , so Angela Maaß. Sie nimmt an, dass das Tuch in Großschönau gewebt wurde. "Das Herstellungsjahr kann ich mit Bestimmtheit nennen: 1763. "

Thomas Seifert 

Großschönauer Damast- und Frottierwaren im Wandel der Zeit

Vortrag anläßlich der Ausstellungseröffnung von Gottfried Pilz, Vorsitzender des Fördervereins des Deutschen Damast- und Frottiermuseums in Großschönau

Sehr geehrte Mitglieder und Freunde des Museumsvereins "Brandenburgisches Textilmuseum Forst"!

Sehr geehrte Anwesende aus der heimatlichen Tuchindustrie!

Liebe Freunde des Deutschen Damast- und Frottiermuseums Großschönau!

Ich bedanke mich, auch im Namen der Museumsleitung des Deutschen Damast- und Frottiermuseums sehr herzlich für die uns gegebene Möglichkeit der Präsentation einer Ausstellung, die 300 Jahre Damastweberei und 150 Jahre Frottierwarenherstellung in Großschönau vereint.

Wenn wir zu den Anfängen, der für die Region einst strukturbestimmenden Entwicklung zurückblicken, kann man gewisse Analogien der beiden Textilstandorte Forst und Großschönau feststellen. Hier waren es die in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts aus den Niederlanden und Schlesien eingewanderten Tuchmacher, die mit den hiesigen Tuchmachermeistern und –schärern die erste Innung gründeten.

In der Oberlausitz schlug 1666 im großen Weberdorf Großschönau die Geburtsstunde einer neuen Webtechnologie, des "Gezogenen". Die Brüder Christoph und Friedrich Lange wurden von den Ratsherren Zittaus seinerzeit ausgeschickt, um in Flandern und den Niederlanden hinter die Geheimnisse der Damastweberei zu schauen. Wie sich etwas später erwies, hatte man die rechte Wahl getroffen, denn die Bürger brachten das "know how" aus der Ferne mit in ihr Oberlausitzer Weberdorf Großschönau, wo bisher nur die Leinwandweberei bekannt war. Mit dieser neuen Webtechnik wurde eine Entwicklung eingeleitet, die durch Fleiß und Können von Generationen immer aufs neue inspiriert, eine Höchststufe textiler Produktionskultur darstellte. Der Damastwebstuhl war bis in die Neuzeit das komplizierteste mechanische Gerät, das der Mensch entwickelt hat. Es beinhaltet die Umsetzung einer künstlerischen Idee, die in der Nutzung physikalischer Gesetze beim Zusammenwirken verschiedener Mechanismen, die in einem Komplexprogramm fixiert sind und jederzeit ein Gewebe reproduzierbar herstellen lassen.

Das Großschönauer Museum schätzt sich glücklich, dass die Rekonstruktion von zwei Damastzugwebstühlen, technische Zeitzeugen um 1830, mit Hilfe des Fördervereins erfolgreich abgeschlossen werden konnte.

Anhand des Funktionsbeispiels kann der Besucher die komplizierten Arbeitsvorgänge miterleben, wie sich die Kenntnisse der Naturwissenschaften, der Mathematik und der schönen Künste in der gestalterischen Ausführung der Damastgewebe vereinen.

Sie haben gewiss Verständnis, dass im Rahmen dieser Ausstellung nur ein Ausschnitt von wenigen Unikaten zur Vorstellung gelangen kann. Wir haben jedoch eine vornehme Aufgabe darin gesehen und waren bemüht Ihnen die vollendete künstlerische Kreativität in der naturgetreuen Umsetzung im Webdessin so anschaulich wie nur möglich in den Exponaten nahe zu bringen.

An dieser Stelle möchte ich noch einen geschichtlichen Abstecher einfügen, um Zusammenhänge zu damaliger Zeit von Politik, Kultur und Finanzen besser zu verstehen. 1743 wurde in Großschönau die erste "Zunftgesetzgebung bey der Damastmanufaktur" eingeführt. Der Zittauer Rat, zu dessen Herrschaftsbereich Großschönau gehörte, hatte längst die " stadtsäckelfüllende" fleißige Arbeit der Großschönauer zu schätzen gewusst. Entsprechend wurde das Damastweberzunftgeheimnis mit allen seinerzeit möglichen Ge- und Verboten streng gehütet und bei Ungehorsam unter drakonische Strafen gestellt.

Friedrich der Große kam mit Ausgang des ersten Schlesischen Krieges der Zittauer Grenzregion sehr nahe. Die damals schon einen Namen führende Damastmanufaktur sowie die kostbaren Tafelgedecke waren seinen Spähern nicht verborgen geblieben. Das Kurfürstentum Sachsen stand an der Seite des verbündeten Österreich im Krieg gegen den Preußenkönig. Görlitz und Zittau waren wichtige militärische Zentren des Kurfürstentums.

Bereits im Jahr 1740 wimmelte es in der Oberlausitz nicht nur von preußischen Spionen und Rekrutenpressern, sondern auch von friderizianischen Emmissionären, welche die Verhältnisse der Großschönauer Damastmanufaktur auskundschafteten. Im Wirtshaus, bei ausgiebigen Freitrunk, machten die Damastweber aus den hohen Stuhlzins- und Steuerlasten, die ihnen die Zittauer Ratsherren aufbürdeten, kein Hehl. Entgegen ihrer sonstigen Zurückhaltung gegenüber Fremden, erklärten sie ihre Unzufriedenheit und Empörung zu dem von der kurfürstlischen Regierung privilegierten "Damastmandats" des Zittauer Rats. Einige Heißsporne erklärten offen ihren Hass gegen die Willkür und dass sie lieber heute als morgen auswandern würden, wenn sie hierbei nur von dem rächenden Zugriff ihrer despotischen Stadtherrschaft sicher wären und die Gewähr hätten, als freie Menschen ihrem Gewerbe nachgehen zu können. Solche Kunde drang schnell zum Preußenkönig. Mit Genugtung stellte er fest, dass sein Scharfblick, alle Erscheinungen seiner Zeit zu verfolgen und wenn irgend möglich nutzbringend in seine weitläufigen Pläne einzubeziehen, ihn nicht getäuscht hatte.

Die Großschönauer Damastmanufaktur, deren Erzeugnisse er selbst besaß und Schätzte, könnte bei Verpflanzung in seine wirschaftlich arg darnieder liegenden Stammlande und vor allem in die neue erworbene, noch heftig umstrittene Provinz Schlesien, ein geeignetes Mittel sein, dem ewig hungrigen Staatssäckel neue Steuerquellen zu erschließen.

Inzwischen nahm der 2. Schlesische Krieg seinen Lauf. Friedrich der Große sandte erneut Weber aus, die sich heimlich bei den Sendboten des Königs zu erkennen gaben. In seinem Namen unterbreiteten sie den mit dem Zittauer Rat zerfallenen Webern ein verlockendes Auswanderangebot:
Garantiert freies Verlassen Großschönaus mit der gesamten Familie und allem Mobilar. Bis zur Wiedereinrichtung täglich 3 Groschen Nahrungsgeld für jedes Familienmitglied. Für jeden in Betrieb gesetzten Webstuhl ein Handgeld von 40 Talern. 1 Jahr völlige Steuerfreiheit!

Zunächst benutzten die Weber das Angebot, die Obrigkeit unter einem gelinden Druck zu setzen, um vielleicht doch eine Auswanderungserlaubnis zu erwirken. Als das Gesuch sehr ungnädig abgelehnt wurde, warfen sich die ergrimmten Weber blindlings den preußischen Webern in die Arme. In einer Nacht verschwanden plötzlich 5, und von nun an verging kaum eine Woche, in der nicht mehrere heimlich von preußischen Schleppern außer Landes gebracht wurden.

Der Zittauer Rat schäumte vor Wut, hatte aber durch systematische Bespitzelung herausgefunden, wer hinter dieser Bewegung steckte. Man erließ einen geharnischten Befehl an den Großschönauer Richter, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ.

Alle Drohungen halfen nicht, die Abwanderung aufzuhalten oder gar zu stoppen. Es sollte noch schlimmer kommen. Zu Winterbeginn 1745 hielten die Preußen die Oberlausitz zwischen Görlitz, Lauban und Zittau besetzt.Der Befehlsstab mit Prinz Heinrich, einem Bruder des Preußenkönigs, befand sich im Kretscham Großschönau. Man übergab dem Richter eine Liste mit mehr als hundert Webern, die in den Kretscham einberufen wurden.

8 Tage später rückte zu früher Morgenstunde eine Schwadron preußischer Husaren und eine Kompanie Infanterie in Großschönau ein. Dem Richter wurde die sofortige Stellung von 150 4-spännigen Wagen befohlen. Die Wagen wurden vor die vorbestimmten Weberhäuser gefahren und mit den Habseligkeiten und Webstühlen beladen, welche die Soldaten bis auf das letzte Stück heraus schleppten.

Auf den wenigen leer gebliebenen Gespannen wurden die Alten, Frauen und Kinder zusammengepfercht, und schon setzte sich die Wagenschlange unter der Eskorte des Militärs, vor den Augen, der den Vorgang noch gar nicht begreifenden Großschönauer, in Richtung Görlitz in Bewegung. Irgendwo unterwegs übernahmen preußische Fuhrleute die "Auswanderer" samt ihrer Habe, und die Großschönauer Bauern mit Ross und Wagen durften nach Hause.

Der Auswanderzug mit 270 Personen, 41 Webstühlen und den Habseligkeiten wandte sich nun nach Schlesien mit den Städten Schmiedeberg-Hohewiese, Greiffenberg und Landshut als Endziel, wo bereits die vorher emigrierten Großschönauer ein neues zu Hause gefunden hatten.

Eine kleine Wagengruppe löste sich vom Schlesierzug los und nahm ihren Weg stracks nach Berlin, welches aber nur Durchgangsstation nach Potsdam war.

Friedrich der Große soll für seine "Damastcampagne" die für damalige Verhältnisse gewaltige Summe von 100.000 Talern aufgewendet und direkt oder indirekt nahezu 500 Damastweber aus Großschönau weggeführt haben.

Diese Episode mag Erklärung dafür sein, in welchem Zusammenhang hervorragende Damastmusterungen zu jener Zeit auch außerhalb Großschönaus ihren Ursprung haben konnten. Dabei gehen meine Gedanken auch auf die wertvollen Bestände im ehemaligen Schlesischen Museum Breslau bis 1945 zurück. Erst kürzlich machte Herr Buss, Angestellter des Textilmuseums Forst, mich auf eine dazu veröffentlichte Dokumentation im Melliand/Textilberichte Jahrgang 1926, aufmerksam.

Im direkten Zusammenhang zu dieser Zeit steht das hier gezeigte Exponat "Frieden zu Hubertusburg" dass dem Friedensschluss des Siebenjährigen Krieges vom 15. Februar 1763 gewidmet ist. Es soll gleichzeitig an das Königreich Preußen mit seiner wechselvollen Geschichte erinnern, dass am 18. Januar 1701 mit dem Großen Kurfürsten zum König in Preußen seinen Anfang nahm.

In Großschönau erlebte man zu Beginn des 19. Jahrhunderts die letzte Hochblüte der Damastmanufaktur.

Trotz verzweifelten, jahrelangen Kampfes gegen die Neuerungen Jacquardmaschine und Baumwolle schmolz die Damastinnung mehr und mehr und brachte das alte, edle Kunstgewerbe zum Erliegen. 1873 löste sich die Damastmanufaktur auf.

Die findigen Großschönauer hatten 20 Jahre zuvor bereits die Weichen zu einer neuen textilen Spezialtechnologie gestellt. 1856 webte der Fabrikant Carl Heinrich Schiffner in der Haupstraße 3 den ersten Plüsch, wie Frottier hier umgangssprachlich noch heute bezeichnet wird. Gleichzeitig begann die Firma Lieske und Häbler mit der Herstellung von Frottierware, nicht ahnend, dass man dadurch die dadurch zu Ende gehende Damastepoche mit der Innovation Frottier vorteilhaft eliminieren konnte.

1887 zählte man ca. 80 in Fabriken arbeitende Frottierhandwebstühle, dazu gesellten sich 67 in Umgebindehäusern von Hauswebern betriebene.

Die Firma Richter und Goldberg, 1882 gegründet, führte 5 Jahre später die erste mechanische Frottierwebmaschine aus England ein.

Beschränkte man sich in den ersten 40 Jahren auf die Herstellung von Hand- und Badetüchern, kam ab 1892 der Bademantel ins Lieferprogramm. In den 20er Jahren war Frottier zum dominierenden Erzeugnis der Großschönauer Textilindustrie geworden, die sich gegen eine starke Konkurrenz von ca. 200 deutschen Firmen, Stand 1933, behauptete. Bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges vervollkommnete sich die Webereitechnik durch die Weiterentwicklung der Jacquard- und Schaftmaschinen, die eine beachtliche Artikelvielfalt ermöglichte und zunehmend attraktivere, bildhafte Musterungen gestattete. Besonders die immer mehr in Mode kommenden 2-chorigen Artikel machten die Frottierkollektionen für den Käufer anziehender.

Der 2. Weltkrieg unterbrach die Frottierfabrikation. In den großen Websälen der Firma Richter und Goldberg und C.G. Hänsch wurden die Textilmaschinen ausgelagert und kriegswichtige Rüstungsproduktion aus dem Rheinland und Berlin (feinoptische Messamaturen für die Flugzeugindustrie) nach hier verlegt.

Mit Ende des 2. Weltkrieges begann unter der sowjetischen Besatzungsmacht mit dem Krieg überlebenden Heimkehrern ein schwerer Neuanfang. Als Privatbetriebe und ein volkseigener Betrieb entwickelten sich wieder Belegschaftsgrößen zwischen 180 und 400 Beschäftigten. 1958 setzte die 1. Welle des verändernden Eigentumsstatus der Privatbetriebe in der DDR ein. Der Staat bot den Privateigentümern an Produktionsmitteln die staatliche Beteiligung an und bemächtigte sich über die Deutsche Notenbank des Mitspracherechts in allen Entscheidungsfragen.

1965 produzierten 22 Oberlausitzer Frottierbetriebe als BSB auf 1100 Webmaschinen ca. 10 Mill. m2 Frottierstoffe, mit denen die Bedarfsdeckung im Inland nicht abgedeckt werden konnte.

Ich erinnere an die bis zum Ende der DDR kontingentierten, bilanzierten und zum plantreuen Produktionsprozess selten verfügbaren Rohstoffe und Farben, die Energiebereitstellung und die ungenügende Qualität der Garne und Zwirne. Das technische Niveau blieb zunehmend hinter dem Weltstand zurück. Bis in die 70er Jahre fand der Reproduktionsprozess auf moralisch und physisch verschlissenen Maschinen statt. Eine zersplitterte Kleinproduktion behinderte die Erreichung optimaler Stückzahlen pro Arbeitskraft.

So war die Zeit reif für den 2. Schritt: die Umwandlung der BSB- Betriebe in VEB-Betriebe. Jetzt konnte auch bei der Ausstattung der Betriebe mit neuer Technik in anderen Kategorien gedacht werden. 1972 wurden die teils über 100 Jahre bestehenden Firmennamen im Handelsregister gelöscht und man gewährte den Unternehmern noch eine Frist von 3 Jahren in juristischer Eigenständigkeit. 1975 haben die Unternehmen als Produktionsstätten in den VEB FROTTANA Eingang gefunden. Die historisch gewachsenen Belegschaften wurden auseinandergesprengt und in die parteipolitisch kontrollierten Arbeitskollektive integriert.

1972 nahm der VEB Frottier- und Taschentuchweberei Großschönau eine neue Webhalle mit 144 sowjetischen Frottierautomaten in Betrieb, die mit technischer Hilfe Oberlausitzer Textilingenieure im Maschinenbaubetrieb Klimosk, nahe Moskau, hergestellt wurden. Im Rahmen eines Automatisierungsprogramms kamen 400 Maschinen des Typs ATM 175 mit Erfolg zum Einsatz.

Die jährlich steigenden staatlichen Vorgaben verlangten Produktionsmengen, mit denen die klassische Weberei, trotz Schichtauslastung, überfordert war. Es lag nahe, den technischen Fortschritt im Textilmaschinenbau der DDR der 60er und 70er Jahre zu nutzen, der Erfindungen von weltweiter Bedeutung zur Herstellung von Schlingenstoffen hervorgebracht hatte.

1962 gingen in Großschönau weltweit die ersten 6 Malipol-Nähwirkmaschinen in Betrieb. Bademäntel aus Polfaden-Nähgewirk sind schlingenfester und strapazierfähiger als Frottiergewebe. Bis 1989 umfasste der Export in die ehemalige Sowjetunion jährlich eine halbe Million Bademäntel!

1975 wurden die ersten Doppelpol-Wirkmaschinen, Typ Liropol, zum Anlauf gebracht. Die Qualität Liropol-Hochflor wurde im Sortiment hochwertiger Tücher und Bademäntel eingesetzt und war in den optischen und haptischen Eigenschaften den gewebten Walkwaren des oberen Genres ebenbürtig.

Ende der 70er Jahre setzte sich in den obersten Leitungsebenen der DDR-Volkswirtschaft die Erkenntnis durch, dass die im Exportgeschäft unverzichtbare Musterungsvielfalt mit sowjetischen Webautomaten nicht zu erreichen war. Die Möglichkeit, dem chronischen Devisenmangel der DDR durch marktgerecht gewebte Frottierwaren mit relativ hoher Devisenrentabilitätbegegnen zu können, führte zur Bereitstellung von Valutamitteln zum Ankauf von 200 Greiferfrottierwebautomaten aus der Schweiz, einschließlich der Spezialfrottierjacquardmaschinen. Die Investition ermöglichte gleichzeitig die Modernisierung in der Musterherstellung, Druckerei und Konfektion sowie erweiterte Stückveredlungskapazitäten. Ab Mitte der 80er Jahre konnte FROTTANA allen Anforderungen der Kunden bezüglich der Qualität und Dessinierung entsprechen.

Das Produktionsvolumen, der unter FROTTANA zusammengeführten Oberlausitzer Betriebe, erreichte 1988 mit 25,8 Mio. m2 seinen Höhepunkt. Aus dieser Warenmenge entstanden 1,8 Mio. Bademäntel und ca.30 Mio. Frottiertücher. Die Gesamtzahl der Beschäftigten am 31.12.1988 betrug 3800 Arbeitskräfte.

1992 erfolgte die Privatisierung des Treuhandunternehmens FROTTANA durch die VOSSEN - Frottiergruppe in Gütersloh. Bei Übernahme erhielten 240 Arbeitskräfte einen Arbeitsvertrag. Die Konfektion wurde sofort ins benachbarte tschechische Varnsdorf verlagert. Dort arbeiten ca. 70 tschechische Frauen. 1996 überlebte die FROTTANA – Textil – GmbH und Co KG die in Turbulenzen geratenden Stammwerke in Gütersloh. Der Markenname "Möve", eingetragenes Markenzeichen 1927 der Firma Weisert und Böpple, Reutlingen konnte übernommen werden und steht für hochwertige Frottierware, die in Großschönau produziert wird.

Die Gemeinde Großschönau kann sich glücklich schätzen, dass ein zweites Textilunternehmen, die DAMINO GmbH mit ca. 140 Arbeitskräften, die Wende geschafft hat. 1994 erwarb das bedeutende westfälische Textilunternehmen Arnold Kock die Firma Damino von der Treuhand. Hauptmaßnahme war, neben dem Umbau von Gebäuden und Maschineninvestitionen, die Zusammenlegung mehrerer Produktionsbetriebe aus Oberrodewitz und Eibau an den Hauptstandort Großschönau. Hier werden jetzt unter einem Dach die mit modernster Design-Computertechnik hergestellten Tisch- und Bettwäschemuster gewebt, veredelt und konfektioniert. Als echter Trendsetter hat sich das "Öko-Bettwäscheprogramm" entwickelt. Die naturbelassene Baumwollfaser erhält sich mit umweltschonenden Ausrüstungstechnologien weitgehendst ihren Naturalcharakter.

Der Fabrikverkauf hält mit seinem vielseitigen Angebot für jeden Geschmack ein passendes Schnäppchen bereit.

Damino ist vorzugsweise Lieferant im Objektbereich für Ausstattungen interkontinentaler Fluggesellschaften und Hotelketten. Man ist maschinell perfekt ausgerüstet und kann innerhalb kürzester Frist auch auf die ausgefallensten Kundenwünsche reagieren.

Zum Schluss noch ein Wort in eigener Sache zur Entwicklung des Fördervereins, der in diesem Jahr auf sein 10-jähriges Bestehen zurückblicken kann.

Aus 9 Gründungsmitgliedern entwickelte sich der Förderverein kontinuierlich auf einen stabilen Mitgliederstand von 112.

Aus den in die Arbeitslosigkeit entlassenen hochqualifizierten Mitarbeiter formt und führt der Förderverein ein Technikerteam mit dem Ziel, relevante Produktionsmittel vor dem Verschrotten zu retten und sicherzustellen.

Die Auswahl der Maschinen wurde zielgerichtet auf eine möglichst in sich geschlossene Schauwerkstatt zur Herstellung von Frottiergewebe getroffen.

Mit Beschussfassungen im Gemeindeparlament erhalten die Vorstellungen des Fördervereins fundierte Bestandskraft.

Nach Inbetriebnahme eines kleinen ungenutzten Seitengebäudes mit Textilmaschinen gibt die Gemeinde eine Studie zum Neubau eines textiltechnischen Ausstellungsgebäudes in Auftrag. Diese Studie ist die Basis für den Fördermittelantrag beim Regierungspräsidium Dresden,der von dort bestätigt wird.

Das Technikerteam bereitet die Alttechnik in stillgelegten Fabrikhallen unter erschwerten Bedingungen für die Wiederverwendung vor (ohne Heizung undStrom!).

Mai 1994 erfolgte der erste Spatenstich für den Neubau. Dezember 1995 Übergabe des Gebäudes an den Bauauftraggeber Gemeinde. Von Januar bis August 1996 werden ca. 20 Textilmaschinen funktionsfähig gemacht.

Am 16. und 17. August wird mit einem Festakt die Schauwerkstatt ihrer Bestimmung übergeben. Bis dahin leistete der Förderverein ca. 18000 Aufbaustunden.

Bis zur Gegenwart plant der Verein und führt eigenverantwortlich den gesamten Reproduktionsprozess der Schauwerkstatt durch.

Mit dieser Maßnahme erhöhte sich die Attraktivität des Museums um ein Mehrfaches. Es bewahrt mit dem Damastzugstuhl, dem mechanischen Jacquardwebstuhl, vom Frottierhandwebstuhl über die Webmaschinen bis zum Frottierautomaten alle textiltechnisch relevanten Entwicklungsetappen heimischer Industriegeschichte.

Ich glaube, dass es gelungen ist, den vielen kreativen Generationen vor uns, die dieser traditionellen Textilregion das Gepräge geben, im Deutschen Damast- und Frottiermuseum ein würdiges Denkmal zu setzen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit, und ein besonders herzliches Dankeschön an Frau Maaß mit ihrem Museumsteam für die gelungene Ausstellungspräsentation!