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Ausstellungsarchiv

Kreativität statt Engpass

Selbstgemacht in der DDR

14. Juli - 19. November 2017

 

Dass Menschen in der ehemaligen DDR sehr erfinderisch waren, wenn es galt die Folgen der Mangelwirtschaft zu kompensieren, ist kein Geheimnis. Fast jeder, der in dieser Zeit gelebt hat, könnte auf Anhieb ein oder mehrere Beispiele nennen, was zu Hause in Handarbeit oder in der Werkstatt mit technischer Unterstützung für den Eigenbedarf oder zum Weiterverkauf entstanden ist.

Dazu gehören z. B. genähte Klammerschürzen, die mittlerweile sogar vom Handel aufgegriffen wurden, gehäkelte Hütchen, um die Toilettenpapierrolle auf der Hutablage im Auto zu „verstecken“, Bilderrahmen aus hölzernen Wäscheklammern, Gewürzregale aus Holz, Nussknackerfiguren ...

Wer künstlerisch etwas versierter war, verzierte beispielsweise schlichte Mehrzweckgläser mit „zart“ bekleideten Damen, die meistens nur einen Platz in der Vitrine des stolzen Besitzers fanden, usw.

Auch praktische Fähigkeiten und technisches Wissen waren von Vorteil, wenn es darum ging, die „Hifi-Anlage“ aufzuwerten oder den Fernsehempfang durch technische Raffinessen zu verbessern.

Selbstverständlich gehörte auch Kinderspielzeug zu den Erzeugnissen, welche nicht immer in großer Fülle käuflich erworben werden konnten. Fast jedes in der DDR aufgewachsene Kind erinnert sich noch an Puppenstuben, von Opa oder Papa gebaut - oder war es doch der Weihnachtsmann? -, hölzerne Tierparks und Bauernhöfe und natürlich die selbst gestrickten, gehäkelten oder genähten Puppenkleider.

So gäbe es noch viele Beispiele von der Kreativität ehemaliger DDR-Bürger zu nennen.

Das Brandenburgische Textilmuseum Forst (Lausitz) widmete dieser Kreativität und diesem Erfindergeist eine eigene Sonderausstellung.

Viele Menschen aus Sachsen undBrandenburg folgten dem Aufruf des Museums und stellten ihre Schätze als Leihgaben oder Schenkungen zur Verfügung. Und zu fast jedem Objekt gibt es eine eigene kleine Geschichte und eine noch immer lebendige Erinnerung. Aus „Mausiwolle“ wurden besonders in den ersten Nachkriegsjahren Kleidungsstücke gestrickt und gehäkelt. Wer ein Gartengrundstück besaß und keinen Rasenmäher erstehen konnte, baute sich diesen mitunter selbst, um des Rasens Herr zu werden, angetrieben oftmals durch einen Waschmaschinenmotor. Eine Grundlage, um weiter kreativ sein zu können, waren selbstgebaute Hobelbänke und Drechselmaschinen. Eher selten, wenn nicht sogar einzigartig ist eine Tauchkapsel, in welcher ein Fotoapparat angebracht wurde, um Unterwasserfotos aufnehmen zu können.

Aber natürlich war nicht der Mangel allein verantwortlich für den Ideenreichtum der Menschen. Es war auch die Freude am Gestalten, welche viele schöne und meist auch praktische Dinge hervorbrachte...